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0 Autor: Martin Burger

Ulrika Spacek - Modern English Decoration

Modern English Decoration

Im Kreise der neuen britischen Sound-Architekten sind Ulrika Spacek die Innenausstatter. Es gibt Rhys, Baby.

Und zwar Rhys Edwards und Rhys Williams, die beiden Bandköpfe, mitsamt ihrer Idee eines kreativen Zusammenlebens als Band und Künstler. "Ken" heißt die ehemalige Kunstgalerie, in der die beiden und ihre drei Mitmusiker wohnen und aufnehmen, Videos drehen und ihre Artworks gestalten. 18 Monate nach "The Album Paranoia" gibt es schon das zweite Album, geschrieben während einer allmonatlichen Residenz im Londoner Club Victoria. Auf "Airportism", das Schlussstück des Debüts, folgte "Mimi Pretend", danach "Silvertonic", "Dead Museum" und so weiter, und in dieser Reihenfolge nahm die Band die Songs auch auf. Das Ziel: Am Schluss der Karriere soll eine lineare Entwicklung stehen. Damit ist "Modern English Decoration" zwar eine Art Fortführung früher Ideen, aber diesmal in Fünferbesetzung, sprich: Dreifacher Gitarrenfuzz für ein pulsierendes Halleluja, das Musterhaus-Krautrock-Fachgeschäft richtet Shoegaze mustergültig ein. Ein weiteres Merkmal: Es fehlt der Hall-Effekt. Ein Wohnzimmer gebe davon eben nicht viel her, so die Band, und man habe kein Interesse an artifiziellen Inhalten. Muss ja auch nicht, "Everything All The Time" dreht auch so auf, "Victorian Acid" ist auch so packend genug, denn wo andere Repetition gerne zum Schäfchenzählen degradieren, halten Ulrika Spacek bei Laune. Das Geheimnis liegt in der Raffinesse der Kompositionen. Es liegt in der Konsequenz. Es liegt in der verhuschten Titel-Ballade. Es liegt nicht zuletzt in der leicht stärkeren Verzerrung im letzten Drittel von "Mimi Pretend" – so wird Entrücktheit zu Ekstase.

Bewertung: 9/12

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