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Prophets Of Rage - Prophets Of Rage

Prophets Of Rage

Vier-Ohren-Test

Ihre Vergangenheit werden Prophets Of Rage nicht los, also lernen sie auf ihrem Debüt, mit ihr zu leben. Rückblickend betrachtet war die im vergangenen Jahr veröffentlichte EP "The Party's Over" kaum mehr als ein direkter Vergleich, bei dem alle Beteiligten den Kürzeren ziehen mussten. Auf Prophets Of Rage wachsen die sechs hier versammelten Musiker glücklicherweise über den Status einer Coverband hinaus und finden eine eigene Nische im von ihnen maßgeblich geprägten Crossover. Dass dabei Tom Morellos vollmundige Ankündigungen weder zu einem musikalisch noch inhaltlich revolutionären Album führen: geschenkt. Die Widersprüche zwischen gesponserter Hauptbühne, Nostalgie und antikapitalistischer Botschaft mussten schließlich auchRage Against The Machine spätestens ab 2007 aushalten, Prophets Of Rage haben nun immerhin frisches Material im Gepäck. Als funktionsfähiges Tag Team fassen B-Real und Chuck D mit Songs wie "Living On The 110" oder "Unfuck The World" den Status der USA zwischen Alltagsrassismus und Armut pointiert zusammen, während Morello, Wilk und Commerford aus der laschen "Killing In The Name"-Version gelernt haben und ihr routiniertes Programm für die beiden Rapper auflockern. So zitiert "Take Me Higher" den Funk der frühen Red Hot Chili Peppers, die Rhythmen sind selten so hibbelig wie im energischen "Hail To The Chief", und auch wenn der große Umsturz ausbleibt, ist diese Platte doch der Crossover-Blockbuster, den man nach "The Party's Over" kaum noch erwarten durfte.
8/12 Sebastian Berlich

Prophets Of Rage zeigt eine schlappe Altherrentruppe, die ihre letzten Ideale für eine schnelle Mark verkauft. Spätestens als die Prophets Of Rage als Merch eine Sturmhaube anboten, war klar, dass es der Ex-Superstars-Truppe darum geht, "Radical Chic" möglichst breitenwirksam zu verkaufen. Aber es ist gar nicht notwendig, sich damit aufzuhalten, denn die Band mit Mitgliedern von Rage Against The Machine, Cypress Hill und Public Enemy liefert auch musikalisch genug Munition, um ihr eigentliches Anliegen zu entlarven: Die eigene, glanzvolle Vergangenheit abschöpfen, weil man seit mindestens zehn Jahren musikalisch nichts mehr zu sagen hat. Chuck Ds und B-Reals Raps entsprechen in keinster Weise dem heutigen Standard, den etwa Killer Mike und El-P mit Run The Jewels repräsentieren – und die wirklich so wütend auf Trump und den US-Alltagsrassismus sind, wie die Prophets Of Rage es vorgeben. Das größte Manko dieses Albums ist aber die fehlende Energie. Jeder Song klingt, als hätten die Beteiligten gerade eine Hüft-OP hinter sich gebracht, so steif staksen und schlurfen sie durchs Studio. Richtig ärgerlich wird Prophets Of Rage, wenn man sich mit den transportierten Botschaften beschäftigt: Die sind auf genauso kleine Häppchen heruntergebrochen, wie die gefürchteten 140-Zeichen-Einlassungen des derzeitigen US-Präsidenten auf Twitter. Das wäre Zack de la Rocha nie passiert. Für wirklich zeitgemäße Protestmusik reicht dem ein Song: "Digging For Windows".
4/12 Florian Schneider

Leserbewertung: 7.5/12

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