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Tori Amos - Native Invader

Native Invader

Die große Alternative-Diva nutzt ihre Talente längst im Klassik-Pop – müssen alte Fans da beim 15. Studioalbum noch mit? Die Antwort fällt ähnlich ambivalent aus wie Native Invader.

Von der intuitiven Schönheit ihres Frühwerks über Konzeptalben und Pop-Annäherung kam die klassisch ausgebildete Musikerin mit ihren Singer/Songwriter-Epen zuletzt bei orchestralem Ornat an – der folgerichtig seit 2011 in Deutschland bei Labels mit Klassik-Expertise erscheint. Die Qualität schwankte: Die reduzierte Orchesterplatte "Night Of Hunters" (2011) konnte man diskutieren, die überladenen Song-Remakes von "Gold Dust" (2012) brauchten nur Die-Hard-Fans, mit "Unrepentant Geraldines" (2014) schrumpfte sich Amos wieder in Richtung ihrer Songwriter-Wurzeln gesund. "Native Invader legt nun wieder den Pelzmantel an: Dezente Elektronik und loungiger Pop fungieren als kuschelig-pompöses Vehikel für die Ausnahmestimme der 54-Jährigen und ihr Klavier – "Scarlet's Walk" (2002) trifft "Abnormally Attracted To Sin" (2009), aber größer gedacht. Leider plätschern etwa der Schlafzimmer-R'n'B von "Broken Arrow" mit seiner lüsternen WahWah-Gitarre oder der triphoppige Synthie-Puls von "Wings" zu sehr dahin, nur im dynamisch schwimmenden "Up The Creek" verbinden sich Pluckern, Piano und Pomp vollends zu einem progressiven Ganzen. Ansonsten überzeugt Amos fast nur mit den latent geheimnisvollen Klavierballaden – wenn sie etwa in "Climb" über die Heilige Veronika die Eröffnungszeile "Climb over the church wall" singt, ist alles sofort da, was Fans an ihr lieben: das Sakrale, die Versuchung, das Archetypen-Storytelling, die gläsernen Gesangsspitzen. Schade, dass solche Songs auf dem heterogenen "Native Invader" die Minderheit stellen.

Bewertung: 6/12

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