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0 Autor: Markus Hockenbrink

Abay - Everything Is Amazing And Nobody Is Happy

Everything Is Amazing And Nobody Is Happy

Aydo Abay hat sich mit Juli-Gitarrist Jonas Pfetzing angefreundet, offenbar Louis CK gesehen und dann eine neue Band gegründet, die klingt wie Blackmail mit mehr Süßem und mehr Saurem.

Pfetzing, ein Fan der Band seit frühen Tagen, stellt gleich beim Songwriting unter Beweis, dass er imstande ist, genau das Material anzufertigen, das seinen Sänger im besten Licht präsentiert. Mit einer Stimme wie der von Aydo Abay kann man eigentlich alles singen, aber am schönsten klingt sie natürlich nach wie vor, wenn sie das Kühle mit dem Dramatischen, das Verletzliche mit dem Divenhaften kombiniert. Dazu hat sie auf "Everything’s Amazing…" gleich mehrfach die Gelegenheit, und Songs wie "Different Beds" oder "The Queen Is Dead" hören sich dann auch an, als kenne man sie schon sehr lange. Das Album bringt einen gehörigen Schwall 90s-Nostalgie mit ins Boot, samt geradezu erpresserischer Melodien und der guten alten Angst, die inzwischen nur halt nicht mehr die Teenage Angst ist. „I got myself a space coat/ I’d like to shoot a gun/ Black pills in my throat/ But it seems I’m having fun“, singt Abay irgendwo in einem leeren Ballzimmer auf dem Mars, vom letzten Raumschiff zurückgelassen. Vermutlich bedeutet es nicht allzu viel, es glitzert aber schön düster. Die neue Band mag kein Meister der Zwischentöne sein und gerade die längeren Songs strapazieren gelegentlich mit ausuferndem Instrumentalgeknister, aber dafür ist sie auf der Bühne tight wie eine Bowlingkugel. Davon konnte man sich letztes Jahr bereits im Vorprogramm der artverwandten Interpol überzeugen, wo sich in der Umbaupause niemand traute, das Licht anzumachen, um die schöne sexy Stimmung nicht kaputtzumachen.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.5/12

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