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0 Autor: Sebastian Harth

Title Fight - Hyperview

Hyperview
  • VÖ: 30.01.2015
  • Label: Anti/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 263 - Schönheit der Ausgabe

Schlechte Zeiten für die Fäuste schwingenden Mosher, die bei Title Fight bisher in den ersten Reihen gestanden haben: Statt Punk und Hardcore versucht sich die Band auf ihrem dritten Album Hyperview am Shoegaze.

Kaum vorstellbar, aber: Title Fight sind tot, lang lebe Title Fight! In der Rückschau ergibt natürlich alles mehr Sinn, und man hätte schon im Frühjahr 2013 darauf kommen können, dass die Band aus Pennsylvania Shoegaze angemessen zu würdigen weiß. Damals waren Title Fight nämlich auf Tour in Europa unterwegs und hatten mit Whirr eine Band ins Vorprogramm gepackt, die sich damals wie heute gerne hinter kinnlangen Ponys und noch längeren Hallfahnen versteckt. Knappe zwei Jahre später spielen Title Fight ähnlich verhangenen Shoegaze, der sich mehr an Dinosaur Jr. als an Fugazi abarbeitet. Nörgler könnten an dieser Stelle die Frage aufwerfen, wie viel der alten Title Fight auf Hyperview noch vorhanden ist, oder umgekehrt, ob die melancholische DNA von Hyperview nicht schon unter dem dichten Wurzelwerk des Vorgängeralbums Floral Green begraben lag. Nun fußt das dritte Album der Band aber auf einer Gleichung mit mehreren Unbekannten: mit “Title Fight plus Hall plus Chorus” ist es da nicht getan. Zu differenziert pendeln die zehn Lieder zwischen der bekannten Wut im Bauch und genau der kontemplativen Schlunzigkeit, die Bands wie Sebadoh vor zwanzig Jahren endgültig salonfähig gemacht haben. Wer bisher also von der hemmungslosen Urgewalt angezogen wurde, mit der sich die Band auf ihren ersten beiden Alben in die Depression gestürzt hat, wird von einigen der getragenen Songs möglicherweise enttäuscht werden. Stattdessen fahren Title Fight den melancholischen Anteil zu Lasten krachiger Passagen nach oben. Your Pain Is Mine Now beispielsweise ist so ein Stück, das in seiner elegisch vor sich hin mäandernden Form Neuland beschreitet. In der Welt der Band jedenfalls, denn bahnbrechend neu ist nicht viel auf Hyperview. Diesen Luxus kann sich die Band aber erlauben, schließlich ist der musikalische Umbruch, der in den letzten zwei Jahren stattgefunden hat, so gewaltig, dass man sich wundern muss, dass damit keinerlei personelle Veränderung einherging. Abgesehen davon ist Hyperview durch die Bank überzeugend: Rose of Sharon ist vielleicht noch die unmittelbarste Referenz an vergangene Tage und bricht mit seiner trockenen Bridge durch die Wand aus Melancholie. Besser aber, man hält es wie die Band selbst: „Murder all your memory/ let it suffocate/ reduce” singen sie im Opener, und ganz ohne Erwartungsdruck gefällt die Platte wahrscheinlich eh am besten.

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