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0 Autor: Carsten Sandkämper

Gong - I See You

I See You

Seit 1968 arbeiten sich Gong in verschiedenen Zusammensetzungen am Begriff Psychedelic ab, lösten sich auf, vervielfältigten sich und hielten das Psychrock-Genre im Spannungsfeld zwischen Space-Rock, Jazz, Folk und Clownerie mit Anspruch am Leben. Der Status von Gong ist zementiert.

Wenn es nach Daevid Allen geht, leben Gong sogar nach ihm weiter. Für den inzwischen 75-jährigen Bandgründer kann – wenn man es mal pessimistisch sieht – jede Platte die letzte sein. Vom Krebs gezwungen, nimmt er bereits an den Release-Konzerten zum Album nicht mehr teil. Und so sind Gong eher die Idee eines Vermächtnisses, das Daevid Allen der Welt hinterlassen wird. Die federleicht klingende Fusion aus Jazz-Rock, Prog und Musiktheater mag modernistischen Misanthropen die Stresspickel ins Gesicht treiben. In stiller Einheit mit aktuell präsenten Dinosauriern wie Magma oder Hawkwind sind jedoch auch Gong ein signifikanter kultureller Beitrag und Anschauungsunterricht in Sachen Psychedelia. Der zweite prägende Protagonist der Band, Schlagzeuger Pierre Moerlen, und Gitarristen wie Steve Hillage und Alan Holdsworth sowie unzählige weitere Musiker haben alle irgendwann einmal im Universum Gong gelebt und ein Stück davon mitgeformt. Ihre Erben, Knifeworld-Gitarrist Kavus Torabi, Schlagzeuger und Daevids Sohn Orlando Allen, Bassist Dave Sturt und Gitarrist Fabio Golfetti gehen auf "I See You" den unverwechselbaren und kompromisslosen Weg weiter. Gongs Musik ist immer eine Art Abenteuerspielplatz der Geschmacklichkeiten, nie eindeutig und oft so verspielt, dass es ein wenig weh tut. Mit der passenden Annäherungshaltung, die sich irgendwo zwischen Frank Zappa, Soft Machine und 13th Floor Elevators findet, macht aber auch dieser Schmerz irgendwie Spaß.

Bewertung: 8/12

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