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0 Autor: Markus Hockenbrink

Chad VanGaalen - Shrink Dust

Shrink Dust

Chad VanGaalens neues Album ist der Soundtrack zu einem selbstgebastelten Science Fiction-Film, der noch nicht gedreht wurde. Inzwischen arbeitet der Kanadier aber daran. Und zwar alleine.

Es gibt sie immer wieder, diese Eigenbrötler. Verbringen 30 Jahre in ihrem Zwei-Zimmer-Apartment, werden von ihren Nachbarn als freundlich aber reserviert beschrieben, und hinterlassen nach ihrem Tod 6000 Seiten merkwürdiger Comics. Mit etwas weniger Lebenslust wäre Chad VanGaalen vielleicht einer von ihnen geworden, aber es kam anders. Sub Pop entdeckte die warmherzigen, dünnbrüstigen und hirnrissigen Eigenproduktionen des Songwriters bereits vor zehn Jahren und gibt jetzt die vermutlich schönste Kollektion seiner Arbeiten heraus. "Shrink Dust" ist tatsächlich so etwas wie der Vorab-Soundtrack eines Animationsfilms namens "Translated Logs Of Inhabitants", den VanGaalen im Moment fertigstellt. Vielleicht hat er sich das auch nur ausgedacht. Wie geräumig so ein Emeritenhirn ist, kann man aber schon jetzt auf mindestens drei Ebenen feststellen: Alle Artworks sind selbstgebastelte Unikate zwischen Kinderbuch und Nervenklinik, für die Produktion und die Songs gilt im Prinzip dasselbe. VanGaalen klingt wie ein Engel mit Sturzhelm, der vom Meeresboden aus verstörende Texte mit verstörend fröhlichen Melodien singt. Es ist die Ästhetik des Kaputten, die Art von Tagebuch, die man seinem Psychologen zeigt. Wer sich solche Songs anhört? Hoffentlich einige. "Shrink Dust" ist ausgesprochen mitteilungsbedürftige Outsider-Art, die im wahrsten Sinne des Wortes ein ganzes eigenes Innenleben präsentiert und dabei das Kopfhörererlebnis honoriert. Oder um es mit einem Songtitel zu sagen: "Weird Love".

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 11.0/12

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