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0 Autor: Daniel Matuschke

Haraball - Sleep Tall

Sleep Tall
  • VÖ: 17.05.2013
  • Label: Fysisk Format/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 243

Norwegens treibendes Musiker-Kollektiv für Hardcore-Punk findet zu neuer Stärke. Sleep Tall nutzt Oldschool-Mittel zur Bestandsaufnahme im Hier und Jetzt.

Und die gerät zur Kampfansage: Jon Eivind Eriksen ist nicht wegen der unwesentlichen Genre- oder Alltagsbanalitäten angepisst, mit denen uns heute einige Milchgesichter den Tag und den Spaß am Punk versauen wollen. Seine Frustration hat das Zeug dazu, ein Magengeschwür in Rekordzeit auf die Größe eines Tennisballs anschwellen zu lassen. Und wehe, wenn das Ding dann platzt und seinen Säure-Teppich durch die Boxen quer über den Raum verteilt. "Sleep Tall" fühlt sich so aufregend an, als würde man über Eriksens überstrapazierten Geduldsfaden zwischen zwei Klippen balancieren und ständig in den Abgrund blicken. "Well, That Passed" brodelt wie ein Vulkan, die unterdrückt geschrienen Zeilen über Vergangenheit und Vergänglichkeit klingen, als hätte das Mikrofon den Kampf gegen die Intensität des Sängers schon vor der Aufnahme verloren. Die Musik zieht bögen und rutscht einem im nächsten Moment in die Beine. Was von den ehemaligen Mitgliedern von Tiebreak und Fairfuck folgt, ist sicher nicht unerwartet, fordert aber trotzdem volle Aufmerksamkeit. "Sleep Tall" rast durch 23 Songs in 40 Minuten, jede davon schwitzt die Essenz von Minor Threats "Small Man, Big Mouth" aus. Haraball haben zehn Jahre in anderen Konstellationen gebraucht, um als neuformierte Einheit das Punkdebüt zu schreiben, das man in dieser Form eigentlich von einer Band erwartet hätte, deren Ursprünge drei Generationen früher und 6.000 Kilometer weiter westlich liegen. Für Oslo die beste Gelegenheit, das aktuelle Turbonegro-Trauma abzuschütteln.

Bewertung: 8/12

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