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0 Autor: Sebastian Harth

Fuck Buttons - Slow Focus

Slow Focus

Abrasiv und roh war ihr Electronica schon vorher. Das ausgleichende Element der Leichtigkeit haben Fuck Buttons nun trotzdem ganz bewusst weggelassen - und verdienen sich so den Preis für den treffendsten Albumtitel des Jahres.

Denn wenn "Slow Focus" eines braucht, dann ist es Zeit, um sich zu öffnen und dem Hörer die Möglichkeit zu geben, sich auf das Album einzustellen. Anders als noch beim vorangegangenen "Tarot Sport" fehlen der dritten Fuck-Buttons-Platte nämlich ganz grundlegend Elemente, die man im englischen unter "upbeat" ablegen würde. "Slow Focus" hingegen drückt einen mit seiner drögen Rhythmik stoisch weg von der Tanzfläche und bedient sich einer kruden Ästhetik, die cineastischer kaum sein könnte. Vielleicht sind das Rudimente der letztjährigen Zusammenarbeit mit Regisseur Danny Boyle, der mit der Musik des englischen Duos die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele untermalte. Unüberhörbar ist jedenfalls die schlichte wie kryptische Eleganz, die sich vom Albumcover bis in die letzte Sequenz zieht und in so bleibenden Hymnen wie "Stalker" gipfelt. Was sich in dem Song beispielhaft für das gesamte Album an Atmosphäre auflädt, lässt manchen Hobbyregisseur sicherlich neidvoll schnaufen - und wirkt trotzdem zu jeder seiner zehn Minuten wie ganz unbeabsichtigt aus dem versifften Schlafanzugärmel geschüttelt. Diese fast alberne Spitzbübigkeit, mit der sich die Band konventioneller elektronischer Musik verweigert, einen gleichzeitig aber zum Verweilen einlädt, ist es nämlich, die "Slow Focus" davor bewahrt zu scheitern. Ein deplazierter arroganter Blick, und man würde das Album nach zwei Liedern genervt abschalten. So fokussiert man ausdauernd und wird reich belohnt.

Bewertung: 9/12

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