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0 Autor: Jonas Grabosch

White Lies - Big TV

Big TV

Big TV beginnt wie der Zwillingsbruder des neuen Editors-Albums und geht dann auch so weiter. Im Rennen um die größten Gesten der englischen Rockmusik gehören White Lies damit mindestens zur ersten Verfolgergruppe.

Von Anfang an achtelt auf dem dritten Album der Londoner die Snare-Drum, E-Gitarren verzieren mit breiten Schwüngen, und in First Time Caller kommen so künstlich klingende Streicher zum Einsatz, dass es sich um eine ästhetisch motivierte Entscheidung handeln muss. Sänger Harry McVeigh geht dazu im kathedralischen Hall baden – sein von der Produktion an die Songränder gedrängter Gesang ist so etwas wie das schwächste Glied in der Kette. An das Gewittergrollen von Tom Smith reicht er nicht heran, seine eigene Art der Naturgewalt kann er auf Big TV nicht entdecken. Das ist schade, weil es doch eigentlich etwas zu sagen gibt. White Lies richten sich gegen Materialismus und Oberflächlichkeit, das ganze Album ist zugeschnitten auf die Geschichte einer Frau, die sich über die großen Flachbildfernseher in den Wohnungen ihrer sonst eher bescheiden aufgestellten Mitmenschen wundert. Ob der Breitbild-Rock von Big TV die beste Plattform zur Untersuchung solcher Phänomene bietet, sei dahingestellt. White Lies erwecken ohnehin den Eindruck, ihr eigenes Konzept nicht überbewerten zu wollen. Ihre Musik ist da, damit man sich in etwas fallen lassen kann, sie funktioniert auf einer Ebene, auf der nicht alles etwas bedeuten muss. Leute, die „Are we human/ Or are we dancer?“ für den größten Moment der Killers halten, können Big TV also schon mal blind kaufen. Alle anderen müssen vorher mit sich ausmachen, wie viel ergriffene Feierlichkeit sie ihren Rockbands zugestehen wollen.

Für Fans von:
Editors
"The Weight Of Your Love"

Glasvegas
"Euphoric Heartbreak"

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 6.0/12

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