Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Britta Helm

The Evens - The Odds

The Odds

Keine Zähne im Maul, aber linke Wahrheiten brabbeln. Fugazis Ian MacKaye und Amy Farina verlieren ihren Bluesfolk auf der Straße.

Glaubt uns, das tut uns mehr weh als ihnen. Schließlich waren das selbstbetitelte Debüt der zwei vor sieben und das zweite Album "Get Evens" vor sechs Jahren außergewöhnliche und gute Folkpop-Platten, rhythmisch und ruhig und punkig aufs Wesentliche reduziert. Farinas Schlagzeug schepperte schleppend voran, MacKayes Bassgitarre setzte brummige Akkorde drauf, die schönen Melodien sangen beide zusammen dazu, und spannend aufgebaut hatten sie ihre Lieder außerdem. Nach Fugazi klang das so wenig wie nach Minor Threat, aber es war immer noch dringender und interessanter und radikaler als der Singer/Songwriter-Kram der Szenekollegen. Nach der überlangen Babypause (Carmine Francis Farina MacKaye kam im Mai 2008 zur Welt) soll das mit dem dritten Album jetzt nahtlos so weitergehen, aber so leicht ist das gar nicht, wenn die Songs fehlen. Zuletzt war etwa "Cut From The Cloth" ein eindringliches, melodisches, heftiges, melancholisches Stück bluesiger Posthardcore mit den Mitteln, die andere auf der Bühne vergessen hatten. Das hat sich festgebissen, daran kommen nun selbst die besseren neuen Songs ("Wanted Criminals", "I Do Myself", "This Other Thing") nicht vorbei. Sie klagen an (Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Kommerzialisierung), sie grooven und wiegen sich in minimalistischen Postcore-Parts, aber sie klingen dabei nicht mehr wie heruntergeschraubte vielschichtige Punksongs, sondern wie spontan improvisierte Zugaben (auch wenn der Grat dazwischen schmal ist). Wer The Evens sehr mag, wird "The Odds" das verzeihen. Aber eben doch wieder lieber "Get Evens" auflegen.

Bewertung: 5/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.