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0 Autor: Daniel Gerhardt

Bruce Springsteen - Wrecking Ball

Wrecking Ball

Bruce Springsteen gibt den Leuten, was sie zu wollen glauben. Sein neustes Durchhaltealbum wird seinen jungen Nacheiferern allerdings besser gefallen als den Fans der ersten Stunde.

Seit eine ganze Generation von raubeinigen Florida-Punks und modernen Kneipenrockbands ihren Erlöser in ihm gefunden hat, breitet sich ein bedenkliches Halbwissen über Springsteen aus, das ihn irgendwo zwischen Fähnchen im Wind der Gerechten und menschgewordener Super-Bowl-Halbzeitshow einordnet – wie Brian Fallon oder Win Butler, nur mit tieferen Geheimratsecken. "Wrecking Ball" tut nicht viel gegen diesen Umstand; es geht zünftig zu auf Springsteens 17. Platte, er singt leicht knödelig, und es gibt gleich drei Irish-Pub-mäßige Songs, die auf einer der Kneipentrauerfeiern für gefallene Polizisten aus "The Wire" laufen könnten. Der Rest von "Wrecking Ball" ist Maßarbeit: lebensversichernde Songs über schwere Zeiten und arme Menschen, auch dann mit erhebendem Gospel-Gefühl, wenn die Musik nicht nach Gospel klingt. Viele Stücke wollen allerdings zu viel von sich selbst: Das langgezogene "Jack Of All Trades" gipfelt unglücklich in einem langgezogenen Gitarrensolo von Tom Morello, "Rocky Ground" muss sich gegen einen esoterischen Chor, fiese Funk-Licks und eine gerappte Strophe am Ende wehren. Die "Wrecking Ball"-Songs, an die man sich erinnern wird, funktionieren nicht anders, aber besser, auch das Titelstück und "Land Of Hope And Dreams" sind überfrachtet mit Drum-Machines und Ergriffenheit. Immerhin enthalten sie aber die letzten Soli des 2011 gestorbenen E-Street-Band-Saxofonisten Clarence Clemons und überstrahlen wohl auch deshalb ein Album, das einem mehr Hoffnung für Amerika als für Springsteen macht.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 10.3/12

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