Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Daniel Gerhardt

Of Montreal - Paralytic Stalks

Paralytic Stalks

Nach zwei unsexy Sexplatten gibt Kevin Barnes sein großes Comeback als emotional instabiler Ehemann mit Stalker- und Selbstzerstörungstendenzen. Of Montreal halten mit.

Highlight ihrer Elf-Alben-Discografie bleibt auch nach "Paralytic Stalks" die 2007er LP "Hissing Fauna, Are You The Destroyer?", mit der Barnes sogar seine Ehe gerettet haben soll. "Paralytic Stalks" ist aber wenigstens die Of-Montreal-Platte, die mehr als alle anderen seitdem an "Hissing Fauna" anschließt, das Album, mit dem sich Barnes vorübergehend von seiner Glamrock-Pimp-Kunstfigur Georgie Fruit verabschiedet und auch mal wieder einen Gedanken fasst, der sich nicht ums Vögeln dreht. Sondern beispielsweise: um Gewaltfantasien, Teufelsaustreibungen und die besten Methoden, wenn man seine Frau zum Weinen bringen will. Neurosen-Barnes ist also zurück, und wie immer gewinnt er an Selbstsicherheit, je tiefer er im eigenen Katastrophenfilm versinkt. Seine grandiose Gesangsperformance deckt alles von gelangweilt über aufgekratzt bis Halsbrecher-Falsett ab, und die Gruppe von Sessionmusikern, die ihn diesmal begleitet, verteilt die Geschichten fair auf Spacerock, Neoprog, moderne Klassik, Soundtrack-ohne-Film-Musik und ein Countrylied. "Paralytic Stalks" arbeitet die Genres aber nicht nacheinander ab, sondern füllt immer alles gleichzeitig auf, bis man sich George Martin zurückwünschen will, damit mal jemand Ordnung in die Tonspuren bringt. 2084, wenn Barnes längst als bionischer Sexgott über den Glamrock und die Menschheit herrscht, wird die Technik vielleicht so weit sein, dass man den alten Beatles-Produzenten wieder einsatzfähig hinkriegen könnte. "Paralytic Stalks" wäre dann passenderweise die Musik der Stunde.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.