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0 Autor: Britta Helm

Phantom/Ghost - Pardon My English

Pardon My English

In der echten Welt braucht man schon mehr als gestochen komisches Englisch und ein bisschen Geklimper. Dirk von Lowtzow und Thies Mynther geht das nichts an.

Immerhin hat das krude Nebenprojekt der längst selber kruden Tocotronic vier Alben und zehn Jahre ausgezeichnet überstanden, da wird doch beim fünften auch niemand mehr was sagen wollen. Und so bittet der inzwischen elegant ergraute Gastgeber nach dem Essen wieder in den Salon, die Ärmel gekrempelt, der Kragen halboffen und das Weinglas noch in der Hand, wo sein Freund am Klavier gerade das Stoffserviettenlätzchen abgelegt hat. Man ist distinguiert, selbstverständlich, aber nicht unfröhlich, die Geister sind weggewischt, die Elektronik in die Kammer geräumt, machen wir es uns so gemütlich. Mynther spielt beschwingt auf, manchmal greift auch jemand ungezwungen zum Cello, und von Lowtzow singt und zeigt mit dem Glas auf die wichtigen Stellen. Vielleicht zwinkert er seinem Publikum zu, wenn er Lieder wie "Dr. Schaden Freud" oder "In The Tittery" zum Besten gibt. "I felt imprisoned, now I’m free/ I light another cigarette in the tittery." Dafür steht Michaela Meise auf und singt schön und klar mit; von Lowtzow knödelt ernsthaft und feierlich und hart akzentuiert wie immer, das gibt Szenenapplaus. "Pardon My English" ist eventuell das lustigste Phantom/Ghost-Album, der Charme bleibt, dass das kein Soundtrack ist, sondern selbst die Schau. Eine, über die man nicht kichern muss, sondern zu der man laut lachen und exzentrische Federn tragen kann und sich seines Reichtums nicht zu schämen braucht. Wer alles schon hat, hat eben immer noch keine sanft posaunierten "Three Limericks For Liberty". "The ceiling’s art deco/ So just use the echo."

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 11.0/12

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