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0 Autor: Britta Helm

Frittenbude - Delfinarium

Delfinarium

Raven gegen Bodenhaltung. Delfinarium ist der fliegende Aussteigerhof unter den Frittenbude-Alben und die Band damit hörbarer denn je.

Wobei es komplett kontraproduktiv wäre, so ganz kontextlos jetzt etwa aus dem Hippieschlagertext von "Wings" zu zitieren. Clowns? Träume? Manege? Wer es nicht glaubt, muss selbst hören, im Kontext wie gesagt, und der ist bei Frittenbude erstens und für immer das Konzert, wo man sich zwischen Laserlicht und Pandabären kurz mal keine Sorgen um den Nachwuchs machen muss, weil der das füreinander übernimmt und außerdem fürs ganze Land. Wo sieht man denn sonst noch Antifa-Fahnen? Zweitens aber reicht viel mehr als noch bei "Nachtigall" und "Katzengold" das Album selbst als Zusammenhang, "Delfinarium" geht zu Hause, alleine, am Stück. Natürlich sind wieder harte Beats drauf, diesmal am besten in "Deutschland 500" zusammen mit Egotronic, aber zum größten Teil bestehen die 15 Songs in 62 Minuten aus lässiger Vertracktheit, wunderbaren Synthie-Schwebemelodien und schönen Utopien. "Grundlos die Welt verändern/ Bewusstlos alles Geld verbrennen/ Lustlos jedes Talent vergeuden/ Anschlusslos aufs Fallen freuen." Noch mehr "Mindestens in 1.000 Jahren" also, weniger "Pandabär", fantastisch ravebar, mit immer besseren und mehr Texten, die Johannes Rögner zum Zeilenende hin ausnölt wie schon immer, aber – etwa im melancholisch zuckenden Innere Altmark – auch hiphoppiger reimt als bisher. Die Grundstimmung auf "Delfinarium" ist weniger aggressive Feierei, mehr umso radikalere Hoffnung und Liebe, die überspringen. "Befundlos dem Herzschlag lauschen." Vielleicht ein Anlass, auch außerhalb von Frittenbude-Konzerten mal wieder Menschen innig zu umarmen.

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 10.2/12

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