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0 Autor: André Boße

Tindersticks - The Something Rain

The Something Rain
  • VÖ: 17.02.2012
  • Label: City Slang/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 228

1999 gab es in der bis dahin makellosen Tindersticks-Discografie einen Bruch.

Das Album "Simple Pleasure" erschien, eine luftige Soul- und Pop-Revue, zumindest verglichen mit den drei zwielichtigen Vorgängern. Wer diese Alben vergötterte, war damals zunächst erstaunt und dann vergrault. Eine schwache Platte ist zwar kein unverzeihlicher Makel, aber die Tindersticks waren halt zuvor perfekt gewesen – und ab 1999 waren sie es nicht mehr. Die große Magie war weg. Und sie blieb es, zumal weitere schwächere Platten sowie eine lange Pause mit noch schwächeren Soloalben die Band dichter denn je an den Boden der Tatsachen heranführten. Doch dort wollte man die Tindersticks, die Band der Träumer für Träumer, auf keinen Fall sehen. Jetzt, mit "The Something Rain", hat sich Sänger Stuart Staples vorgenommen, seinem Ensemble wieder Flügel zu verleihen. Die lichten Höhen der frühen Phase erreichen er und seine Musiker zwar nicht, aber immerhin: Sie lösen sich vom Matsch der Masse, es gibt wieder Gründe, die Tindersticks und nur die Tindersticks zu hören. Zum Beispiel, weil kaum eine andere Band ihre Hörer so elegant durch ein Album führen kann. Nach der neun Minuten langen, kammererotischen Erzählung "Chocolate", in der es wunderbarerweise vor allem um Süßzeugs wie Schokolade und Fruchtschnäpse geht, führt die trockene Snare in das laszive Soul-Stück "Show Me Everything", bevor Staples in Angesicht von "This Fire Of Autumn" beinahe aufgekratzt klingt. Keine Frage: Es lodert! Später spielen die Tindersticks noch Barjazz und Balladen sowie im Höhepunkt "Frozen" eine Art federnden Drum'n'Bass-Lounge-Pop, der einen ganz schwindelig vor Vergnügen macht.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.5/12

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