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0 Autor: Markus Hockenbrink

Weezer - Pinkerton (Deluxe Edition)

Pinkerton (Deluxe Edition)

Fünfundzwanzig Bonustracks und ein aggressiver gewordenes Dating-Universum lassen einen problematischen Klassiker eine späte Ehrenrunde drehen.

Weezers Pinkerton hat über die letzten 14 Jahre eine Statur angenommen, die zu Zeiten der Erstveröffentlichung undenkbar gewesen wäre. Im Vergleich zum allseits beliebten Debüt gab es für das Album damals lauwarme Kritiken, miserable Verkäufe und überhaupt wenig Gegenliebe. Der Kontext von 1996 lässt sich nur noch anhand verschwommener Erinnerungen an Bands wie Bush, Everclear oder Stone Temple Pilots heraufbeschwören, doch die Wiederbegegnung mit Pinkerton ist auch heute noch kein Harmoniefestival.

Mittlerweile wird die Platte vor allem von jenen Hörern hochgehalten, die darin ein entwaffnend ehrliches Dokument männlicher Selbstanklage sehen, das über sexuelle und emotionale Zwanghaftigkeiten redet wie sonst nur R. Crumb oder Woody Allen. In Wahrheit ist Rivers Cuomo als Hauptdarsteller seines eigenen Tagebuchs zehn Songs lang ähnlich grausam wie sein Alter Ego aus Madame Butterfly, nur dass er seine freudlose seelische Tundra mit unwiderstehlichem Punkpop besingt.

Zwischen Rachephantasien, Geishaträumen und manipulativen Psychospielchen mutet die Platte bei Licht betrachtet fast schon nihilistisch bitter an, und Cuomos vom Blatt abgelesene Songtexte zwischen Verletzlichkeit und Abgebrühtheit sind auch heute noch anfällig für verschiedene Deutungen. Eine davon besagt, dass Emo sich seine androzentrische Opferhaltung hier erst antrainierte, eine andere, dass Cuomo selbst seinen Wahnsinn ausstellte wie kaum jemand zuvor. Nur eins ist sicher: Diese Platte geht ins Extrem und schämt sich nie dafür.

Leserbewertung: 4.0/12

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