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0 Autor: Martin Iordanidis

New Model Army - Anthology

Anthology
  • VÖ: 12.11.2010
  • Label: Attack Attack/Alive
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 213

Musikalisch sitzen New Model Army konsequent zwischen allen Stühlen und begleiten nun schon seit 30 Jahren Menschen durch die dunklen Passagen ihrer Jugend – und darüber hinaus.

Diesen Umstand feiert die Band nun mit einer Rückschau. Das Großbritannien der späten 70er und frühen 80er Jahre war ein perfekter Nährboden für alle Schattierungen endzeitlich geprägten Gedankenguts, das war auch schon vor dem Punkrock so. Das Absterben des Sozialstaats, der omnipotente Thatcherismus und die allgegenwärtige Angst vor dem nuklearen Holocaust lieferten genug Gründe, morgens nicht so früh aufzustehen. New Model Army atmen trotz ihres bewundernswerten musikalischen Wagemuts bis heute dieselbe politische und zuweilen romantische Tiefgründigkeit. "Anthology" nimmt alte und jüngere Fans und Bewunderer anlässlich des 30. Bandjubiläums mit auf eine Zeitreise, in der New Model Armys würdevolle Schwermut die einzige Konstante ist. Die 30 Songs des Doppelalbums sind über kleine Strecken lose chronologisch geordnet und beginnen mit der bis heute renitenten Hymne "Vengeance". Anschließend mischen New Model Army zusammen mit vielen ehemaligen Mitgliedern bunt B-Seiten wie "Modern Times", experimentell Soundtrackhaftes wie "Flying Through The Smoke" oder augenzwinkernde Hommagen an die Discowelle der 80er ("Masterrace" vom 1986er "The Ghost Of Cain") durcheinander. Wer auf "Anthology" mutmaßlich obligatorische Gassenhauer wie "51st State" oder "No Rest" sucht, missversteht es als Greatest-Hits-Album. Genau das ist es aber nicht. Vielmehr liefert "Anthology" eine Erklärung dafür, warum diese Band bis heute Indievolk, Metalheads, Punks und Folkfreunde verbindet.

Leserbewertung: 8.5/12

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