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0 Autor: Carsten Sandkämper

Bobby Conn - Rise Up!

Rise Up!

Die deutsche Erstveröffentlichung eines der seltsamsten Alben der 90er. Es erinnert uns an die Vibrationen, die seinerzeit von Chicago ausgingen, um diesseits und jenseits vom Begriff „Postrock“ Aufsehen zu erregen.

Sicherlich ist es seiner Freigeistigkeit geschuldet, dass aus dem Himmelfahrtskommando eines Konzeptalbums an der Grenze zum neuen Jahrtausend kein gigantischer Reinfall wurde. Bobby Conns zweites Album, das nun in neu gemasterter Version herauskommt, nahm in seiner Zeit vieles vorweg. Es strahlte in ungezügelter Exzentrik und Ausdruckswut, einem Stilmix aus Soul, Glam, Elektro, Kraut und Jazz. Kaum jemand verstand den Rufer in der Indie-Wüste. Sein wohl farbenfrohestes Album wurde zugleich das am meisten ignorierte. Dabei repräsentiert es treffend den Zwiespalt des alternativen Musikers, der sich ständig selbst fragt, ob er sich über Funk und Soul lustig machen oder sie in seinen Ausdruck einarbeiten soll. Conn entschied sich für beides. Vielleicht ist es das, was Rise Up! ähnlich abenteuerlich klingen lässt wie Zappas "We’re only In It For The Money", das 1968 von niemandem wirklich geknackt wurde. Wenn im unzweifelhaften Überhit United Nations („under the rule of satan…“) wildes Upbeat-Geschrabbel auf süßeste Frauenchöre trifft, bekommt man einen kurzen Einblick in die Referenzkiste, die sich Bands wie Modest Mouse und Green Day in den Proberaum stellen. Klar: Auch neu gemastert klingt das Album weder um Längen besser noch „fett“, dafür war die Zeit einfach zu durchdrungen von kategorischem Do-it-Yourself-Recording. Trotzdem zählt das schlichte Wiederhören dieses kleinen ganz großen Entertainers im Auftrag des Wahnsinns.

Bewertung: 8/12

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