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0 Autor: André Bosse

Perfume Genius - Learning

Learning

Zehn Lieder, die zunächst Fragen aufwerfen und schließlich umwerfen.

Wann ist ein Lied gut? Wenn da eine Band ist, die es auf den Punkt spielt, so richtig tight, wie man sagt? Wenn da ein Produzent ist, der es in einem teuren Studio aufnimmt, so richtig fett, wie man sagt? Wenn da eine Plattenfirma ist, die es auf eine CD mit allem drum und dran packt, Deluxe, wie man sagt? Nein. Nein. Nein. Das reicht doch alles nicht. Songs mögen dann vielleicht funktionieren. Wie ein Rasierapparat, der außen einen guten Job macht. Aber innen, da passiert nur etwas, wenn ein Lied dort ankommt, wo man als Hörer blank ist. Perfume Genius, ein 26 Jahre alter Mann aus Seattle, ist ein Mensch, der solche Lieder schreiben kann. Zehn gibt es auf seinem ersten Album zu hören; es ist anzunehmen, dass Hunderte weitere bereits geschrieben und festgehalten sind. Denn das geht sehr schnell: Dieser Musiker nimmt seine Stücke zu Hause auf. Nicht mit Laptop, sondern mit analogem Equipment mit Nebengeräuschen und einer Bandmaschine, die nicht sauber arbeitet und daher Reste von Stücken, die zuvor darauf zu hören waren, übrig lässt. Wer vor allem in Soundkategorien denkt, für den klingen diese zehn Lieder miserabel. Perfume Genius spielt Keyboard für den Hausgebrauch, baut ein paar Effekte ein (die sich durch Rauschen lange vorher ankündigen) und versteckt seine angreifbare Stimme hinter viel Hall. Das ist die Oberfläche. Doch darunter entfaltet sich eine musikalische Magie, die einen sprachlos macht. Der Refrain von Lookout, Lookout kommt – und die Welt ist ruhig. Perfume Genius erzählt die Geschichte von Mr. Peterson – und man schluckt, überlegt und bangt. Die Lieder sind kurz, das Album auch. Der große Trost: Es wird noch viel zu hören geben von diesem Genius.

Bewertung: 10/12

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