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0 Autor: Jens Mayer

Crippled Black Phoenix - I, Vigilante

I, Vigilante

Mehr als eine düstere Ahnung der anstehenden Apokalypse: So erhaben und eindringlich schön haben wir schon lange nicht mehr vom Untergang träumen dürfen.

"Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern/ Ein Vogel klagt in den entlaubten Zweigen/ Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern" (Georg Trakl, "Verfall"): Crippled Black Phoenix erschaffen wie keine andere Band derzeit in ihren Endzeitballaden überwältigende Gemälde voll Trauer und Frieden. Der Begriff Postrock scheint viel zu technisch und abgenutzt für die Elegien, die mit der Größe und Kraft von Pink Floyd, der Vision von Godspeed You! Black Emperor und der Wehmut von A Whisper In The Noise vor allem eines sind: berührend. Orgel, sehnsuchtsvolle David-Gilmour-Gitarre, der gefühlvoll-eindringliche Gesang von Joe Volk: Hier baut ein Stück auf dem nächsten auf, um schließlich mit dem monumentalen "Bastogne Blues" einen Trauerzug der Veteranen des Zweiten Weltkrieges zu untermalen. Intensiver geht es nicht mehr. Die getragene Klaviermelodie wird von den Streichern aufgenommen und vom Schrecken der irdischen Grausamkeit andächtig in die Weiten des Horizonts getragen. Dass ausgerechnet eine Coverversion von Journey im Anschluss nicht zum Stimmungskiller wird, sondern "Of A Lifetime" mit der starken Stimme der wundervollen Daisy Chapman vielmehr sachte und behutsam die bedrückende Atmosphäre in sehnsuchtsvolle Melancholie heben kann, ist der Beweis für die Größe der Band um Justin Greaves. Und auch das: Der ungelistete sechste Song, eine Coverversion des Kelly’s Heroes-Titelstücks von The Mike Curb Congregation, entlässt uns sogar mit einem Lächeln zurück in die Welt.

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 10.5/12

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