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0 Autor: André Bosse

Marianne Faithfull - Horses And High Heels

Horses And High Heels

Nein, das Plattencover gibt es nicht als Poster im nächsten Heft. Ja, die Musik ist um Klassen besser.

In der tollen britischen Krimiserie "Ashes To Ashes", die in den frühen 80ern spielt, gibt es einen schönen Moment, als ein Drogendealer sagt, die mit Drogen vollgestopften Gartenzwerge seinen ein Geschenk für seine Mutter. Der Cop schlägt einen Zwerg kaputt und raunzt: „Ich glaube dir nur, wenn du ein Faithfull bist.“ So war das damals, Marianne Faithfull galt als verdrogte Perle für selbstverliebte Rock’n’Roller. Ihre Schönheit war lange makellos, dann kamen die Wechseljahre und es ging bergab. Die Comebackplatte "Easy Come Easy Go" vor gut zwei Jahren war eine schöne Sammlung von Fremdkompositionen, interpretiert mit hochkarätigen Gastsängern: gut und mutig ausgesucht (sogar die Decemberists waren dabei). Für ihr neues Album hat sich die heute gesund lebende Dame ein Mischkonzept überlegt: ein paar mehr eigene Lieder sind dieses Mal dabei, dazu eher unbekannte Lieblingssongs anderer und keine berühmten Kollegen zur Unterstützung. Der Ansatz spricht für größeres Selbstvertrauen. Recht so, denn ihre tiefe Stimme, die schon unter einigem zu leiden hatte, kann Großes erschaffen: Faithfulls Version von "The Stations", geschrieben von Greg Dulli und Mark Lanegan, steht keineswegs im Schatten der Version von den Gutter Twins, und der Song "That’s How Every Empire Falls" vom eher unbekannten R.B. Morris strahlt in ihrer Variante wie ein Evergreen. Kleine Punktabzüge gibt es für die eigenen Songs, die alle etwas blass sind. Große Punkabzüge für die paar Rock’n’Roll-Nummern, die Faithfulls gut bezahlte Studiocracks so lustlos runterspielen wie Bundesligaprofis ein Europapokalspiel in Kasachstan.

Bewertung: 6/12

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