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0 Autor: André Bosse

Elvis Costello - National Ransom

National Ransom

Wenn das Haus der Spielarten populärer und klassischer Musik tausend Wohnzimmer hat, nennt Elvis Costello 990 von ihnen sein Zuhause.

Jazz, Klassik, Rock’n’Roll, New Wave, Folk, Punk, Reggae, Country, Vaudeville, Broadway-Musicals, Blues, Easy Listening – er kennt sich überall aus, hat in all diesen Genres Platten aufgenommen, die auch von Kennern geschätzt werden.

Ein Blick zurück auf Costellos Lebenswerk ist allemal eine verregnete Herbstwoche wert. Was aber bringt eine neue Costello-Platte? Noch dazu eine, bei der er sich nicht einem Genre verschreibt (wie zuletzt auf Secret, Profane & Sugarcane dem Country), sondern sein ganzes Spektrum abdeckt? Fest steht, dass der ehemals unglaublich scharfkantige Punk-Wave-Rock seiner ganz frühen Platte heute einer muffigen, abgeschmackten Version von Rock’n’Roll gewichen ist.

Das Titelstück ist ein abschreckendes Beispiel: Boogie-Woogie, wie Väter ihn mögen. Da hilft auch der gallige Text über die Abarten des Kapitalismus nicht: Dieser Costello taugt nur zur Stadtfestbeschallung. Klassen besser: die historischen Stücke Jimmy Standing In The Rain oder A Slow Drag With Josephine, mit deren Hilfe man erklären kann, zu was unsere Vorväter getanzt haben, bevor es elektronische Gitarren gab. Es dauert ein wenig, bis Costello zum ersten Mal die Gemütlichkeit des Museumsdirektors ablegt und singt, als hätte er tatsächlich etwas Neues zu erzählen: Church Underground vereint Kampfbereitschaft und Melancholie, es geht um einen Nachtclubsänger, dessen Stern schnell steigt und auf dramatische Weise sinkt.

Leider sind solche Momente selten, so dass National Ransom mehr wie ein Lexikon oder Ausstellungsstück wirkt als eine Platte für das Hier und Jetzt.

Bewertung: 6/12

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