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0 Autor: Steffen Eisentraut

Rolo Tomassi - Cosmology

Cosmology

Vor anderthalb Jahren hinterließen Rolo Tomassi einen verstörten Rezensenten mit vielen offenen Fragen. Und nun wollen sie gleich das Universum erklären.

Zugegeben: "Hysterics" brauchte ein Weilchen, um anzukommen. Aber irgendwann kam es. Was die Band um Eva und James Spence zwischen Noise, Mathcore und Ambient zusammenbraute, besaß Reiz. Umso spannender die Produzentenwahl fürs neue Album. Ein großer Name. Aber kein üblicher Verdächtiger. Kein Kurt Ballou, Ross Robinson oder Matt Bayles, sondern: Diplo, Soundtüftler und DJ, bekannt durch seine Electro-Remixes von Bloc Party bis Britney Spears. Nun ist "Cosmology", wie man hätte annehmen können, aber keine tanzbare Horrorversion der Yeah Yeah Yeahs geworden. Stattdessen wurde in die Breite geforscht und Raum gewonnen. Rolo Tomassi entdecken ihre auf "Hysterics" noch vermissten Fähigkeiten zum Crescendo. Das einlullende Intro "Katzenklavier" und die zornigen Kurzeinsätze "Agamemnon" und "House House Casanova" orientieren sich noch am Debüt, aber mit "Party Wounds" folgt eine erste Demonstration neuer Stärken. Das manische Zerstückeln ist noch da, aber kein Selbstzweck mehr. Die Dramaturgie muss stimmen. Wie im spacig startenden "Kasia", das sich gemächlich aufschwingt, Engel mit Teufel sprechen lässt und nach kurzem Prog-Intermezzo zur großen Endschlacht ansetzt. Oder in "Tongue-In-Chic", das zuerst ein Schreidoppel à la Blood Brothers inszeniert, um dann – atmosphärisch auf The Mars Volta schielend – die schönsten Rolo-Gesangsmelodien bis dato hinterher zu schicken. Der Titeltrack danach überbietet sie gleich wieder, führt diese Weltraumexplosionen in ihr tolles Finale – und Rolo Tomassi grüßen endgültig von einem anderen Planeten.

Bewertung: 8/12

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