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0 Autor: André Bosse

Dr. Dog - Shame, Shame

Shame, Shame

Das Schöne an Dr. Dog aus Philadelphia ist, dass diese Band nicht nur das naheliegende liebt.

Die Wings statt der Beatles. Dennis statt Brian Wilson. Die kurze Discophase der Rolling Stones statt des Rockkrams. Das 70er-Jahre-Softrock-Radio statt der Indie-Stationen. Gut vorstellbar, dass Dr. Dog erst auf Platten aufmerksam werden, wenn enttäuschte Rezensenten sie verreißen – um dann im Songbook der Enttäuschungen nach heimlichen Perlen zu suchen.

Die Idee ist gut, am Kanon der Klassiker orientieren sich ganz sicher genug andere Bands. Eine Gruppe aus einer ganz anderen Ecke denkt in dieser Hinsicht übrigens ganz ähnlich wie Dr. Dog: dEUS aus Belgien. Das kreative Durcheinander, das durch die vielen Einflüsse auf den vorherigen Dr.-Dog-Alben herrschte, ist auf Shame, Shame geordneter. Es gibt nämlich zum ersten Mal einen Produzenten (Rob Schnapf, mitverantwortlich für Mellow Gold von Beck und die späten Alben von Elliott Smith); die Band hat dafür ihr geliebtes Heimstudio in West-Philly verlassen, in dem bislang all ihre Platten entstanden.

Die Folge: Heimweh! Kaum ein Song, der nicht auf einer Anekdote aus Philadelphia basiert – und sei es von einem nächtlichen Kneipenbesuch wie in Jackie Wants A Black Eye. Die legendäre Spielfreude der Band leidet glücklicherweise nicht unter der ordnenden Hand am Mischpult. Bestes Beispiel ist der Offbeat-Hit Later, der gnadenlos offen legt, was bei den Kaiser Chiefs im Argen liegt. Man muss nämlich schon den Spaß noch spüren, wenn man spaßige Musik spielen möchte. Doch es gibt auch eine ernste Seite zu entdecken: Station ist ein exzellentes, wehmütiges Liebeslied. Klingt nicht wie Bob Dylan. Klingt wie The Band.

Bewertung: 9/12

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