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0 Autor: Hauke Hackstein

Frightened Rabbit - The Winter Of Mixed Drinks

The Winter Of Mixed Drinks
  • VÖ: 05.03.2010
  • Label: Fat Cat/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 204 - Schönheit der Ausgabe

Die Schotten reißen sich und ihren Entwurf von melodiös-zwingendem Indierock zusammen und werden dabei immer besser.

„Das ist alles, was wir wollten“, sagen sie. Wäre das schon alles, was sie mit ihrem zweiten Album erreicht haben, die Rezension wäre zu Ende. Und ihre Platte keine Schönheit in dieser Ausgabe. Aber von vorn: Eigentlich ist es nur noch an der Stimme auszumachen, dass das hier die gleiche Band ist, die mit ihrem schwammigen Debüt "Sing The Greys" vor knapp vier Jahren nur wenige begeistert hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Zwar kam schon der Nachfolger "The Midnight Organ Fight" deutlich ausformulierter daher und wuchs mit Hilfe von etwas Zeit und Muße ans Herz, doch der Schritt, den Frightened Rabbit nun zur dritten Platte gemacht haben, erstaunt trotzdem.

"The Winter Of Mixed Drinks" ist kompakter, durchdachter und deshalb zwingender als sein Vorgänger. Als hätte die Band dessen Stärken gebündelt und daraus ein Album gezimmert. Denn wo "Organ Fight" sich nicht entscheiden konnte, ob es melancholisch flehen oder verhuscht lächeln sollte, scheint hier die Ansage klar: Drücken soll es. Und das nicht mit bollernder Produktion und Stadionbeats, sondern mit sorgsam geschichteten Soundwelten. Schon der Opener "Things" gibt die Richtung vor: Gitarren und Synthesizer, die kaum als eins von beidem zu erkennen sind, schwingen sich zu einem bedrohlich wirkenden Instrumental auf, bevor eine gescheuchte Bassdrum, Scott Hutchinsons eindringliche Stimme und eine zaghafte, bittersüße Melodie den Song aufbrechen. Die ganze Platte wirkt wie ein einziges Hineinsteigern in Momente, in denen man nicht anders kann als kurz Luft zu holen und die Arme auszubreiten. Das haben sie von U2 gelernt, ohne dass man Frightened Rabbit das vorwerfen könnte.

Das Kunststück der mittlerweile zum Quintett angewachsenen Band besteht nämlich genau darin, nie nur Bedrückung, sondern gleichzeitig Geborgenheit und Wärme auszustrahlen. Wie eine starke, unerschütterliche Schulter zum Anlehnen und Ausheulen. In dieser Disziplin schlagen sich Frightened Rabbit sogar noch besser als ihre Kollegen von The Twilight Sad: Während die ihre Songs auf Herbst und Winter auslegen, lassen sich Frightened Rabbit auch auf der Frühlingswiese genießen. Vorausgesetzt es zieht gerade ein Sturm auf. So hätten Snow Patrol klingen können, wenn sie nicht vom fahnenschwenkenden Festivalpublikum in die Belanglosigkeit gefeiert worden wären. Dass man es auch ohne derartige Kompromisse in die Abspanne der amerikanischen Wochensoaps schaffen kann, bewiesen Frightened Rabbit schon mit dem letzten Album. Dass das Höchste der Gefühle damit noch nicht erreicht wurde, beweist ihr neues. Anspieltipps Things | Swim Until You Can’t See Land | Skip The Youth

Leserbewertung: 11.0/12

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