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Masters Of Reality - Pine/Cross Dover

Pine/Cross Dover

Desertrock zwischen alten Stärken und Redundanz.

Immer wenn man den betagten Wüstensohn Chris Goss schon fast vergessen hat, klopft er sich den Staub und Sand vom Revers und holt ein neues Album aus der Manteltasche. Nun ist nicht alles, was er in der Vergangenheit angepackt hat, derart erinnerungswürdig wie die ersten beiden Alben seiner Masters Of Reality, der Ein-Mann-und-wer-gerade-mit-ihm-spielt-Band. Man entsinne sich nur der teils furchtbar drögen Ergüsse auf "Welcome To The Western Lodge" von 1999. Doch das liegt zehn Jahre und zwei bessere Alben in der Vergangenheit. Zuletzt war Goss auf "Give Us Barabbas" in die akustische Gitarre verliebt, frönte teilweise seiner Leidenschaft für den Pop der Beatles. Nun, auf "Pine/Cross Dover", fühlt es sich an, als habe Goss noch mal alle Stärken gebündelt. Der Titel ist zweigeteilt und so auch das endlich mal wieder ansehnliche Artwork. "Pine" stellt mit fünf Songs den ersten Teil dar. "Cross Dover" und dessen sechs Songs ist der zweite, eher jamverliebte Teil. Er endet mit einem zwölfminütigen, recht ziellos dahermäandernden Brocken. Soweit die Formalien. Der Inhalt pendelt zwischen alter Stärke und Redundanz. Erfreut man sich am QOTSA-ähnlichen "Always", lässt uns Goss danach an "Johnny's Dream" teilhaben. Ein Vergnügen ist das nicht. Die instrumentale Soundcollage gerät viel zu lang und öde. Sie nimmt den Wind aus den Segeln, wo gerade welcher aufkam. Doch ein Herz für Experimente und krude Ideen hatte Goss ja schon immer. Der treue Begleiter an seiner Seite ist diesmal wieder John Leamy, der sich neben dem Schlagzeug auch um Gitarre und Keyboards kümmert. Ansonsten schaut die übliche Desert Sessions-Posse in der Rancho De La Luna vorbei, allen voran Dave Catching, Brendon McNichol und Eagles Of Death-Metal-Bassist Brian O'Connor. Sie alle sorgen dafür, dass "Pine/Cross Dover" solide ist, können dem Rezept aber auch keinen frischen Atem einhauchen. Da wirkte die Leichtigkeit von "Give Us Barabbas", der Mut, einfach mal Lennon zu covern und mit der Gitarre ans Lagerfeuer zu ziehen, angenehmer. Immerhin lebt das Album zum Ende hin auf. "Rosie's Presence" ist ein unbehaglicher Slide-Blues-Stomper mit Zeppelin-esken Gitarrenobertönen. "The Whore Of New Orleans" hat Sex in der reifen, rundlichen Hüfte, und das düstere "Testify To Love" zusammen mit Unkle hätte sich auch auf einem der letzten beiden Queens-Alben gut gemacht. Hören wir also auf zu meckern und sind lieber froh, dass es ihn noch gibt, den Godfather of Desertrock.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 7.0/12

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