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Backyard Babies - dto.

dto.

Vier-Ohren-Test

Es wird ja wohl niemand mehr allen Ernstes auf eine neue "Total 13" gewartet haben. Oder etwa doch?

Anders lassen sich enttäuschte Reaktionen von den Babies grundsätzlich wohl gesonnenen Leuten nämlich nur schwer erklären. Denn für eine Band, die ihren Zenit schon sehr früh erreicht hatte, zeigt dieses neue Album durchaus einen positiven Trend. Zugegeben, dies zu bewerkstelligen war nach dem Tiefpunkt "People Like People Like People Like Us" keine unlösbare Aufgabe. Doch das sechste, von Jacob Hellner knackig produzierte Studioalbum übertrifft auch den Vorvorgänger "Stockholm Syndrome" und "Making Enemies Is Good" mit den oftmals bis zum Erbrechen wiederholten Refrains. Hier kommen alle Tracks mit ordentlich Schwung aus der Hüfte, und die Gesangslinien haben gerade das richtige Maß an Eingängigkeit, die Melodien drängen sich auf, ohne zu aufdringlich zu sein. "Come Undone" zum Beispiel ist Good-Times-Rock'n'Roll, wie ihn Fans dieser Band lieben. Im eng gesteckten Rahmen zwischen kraftvollen Arschtritt-Hymnen ("Where Were You") und relativ gefühlvollen Rockern ("Nomadic") zeigen sich die Backyard Babies 2008 wieder von ihrer besseren Seite. Dabei erinnern sie immer öfter an The Cult, was keineswegs unangenehm ist. Nur von Balladen nach Art der Schlussnummer "Saved By The Bell" dürfen sie künftig gerne die Finger lassen und dafür lieber verstärkt auf Ramones-Traditionen wie bei "Zoe Is A Weirdo" setzen.
8/12 Dirk Siepe

Wenn Promozettel zu viel versprechen und auch das Album selbst nur wenig hergibt, dann ist neuerdings Backyard-Babies-Zeit.

Denn die darf man nun endgültig ins Mötley-Crüe- & Stadion(Cock-)Rock-Reich abschieben, "Total 13" ist komplett außerhalb der Sichtweite – auch wenn gerade dieser unheilige Vergleich seitens der Promomaschinerie bemüht wird. Nein, man muss wohl eher den konsequenten Niedergang, der mit dem saft- und kraftlosen "People Like People Like People Like Us" eingeleitet wurde, in Verbindung mit "Backyard Babies" setzen. Merke: Druck & Schnelligkeit kann man nicht mit unsagbar zu oft gehörten 08/15-Warm-up-Riffs und einer bemüht auf safttriefende Bratzigkeit getrimmten Produktion ausgleichen. Alles, was dabei herauskommt, sind Rohrkrepierer wie "Fuck Off And Die". Und Songs wie "Idiots" merkt man an, dass sie an alte Zeiten anknüpfen sollen – es aber nicht schaffen, gerade auch weil ihnen das Stigma der eigenen Erfolgsgeschichte anhaftet. Wenn man dann noch erwähnt, dass die Balladendichte zugenommen hat, ist die Beschreibung des Desasters perfekt. Da können auch die wenigen guten Nummern wie "The Ship" den Schnitt nicht retten. Zu so einem Langweiler kann man sich schon die nächste Clubshow vorstellen – die Baustellenlampen werden am Bühnenrand wieder kreisen, nur symbolisieren sie dann, dass es hier nichts zu sehen – und vor allem nichts zu hören gibt.
5/12 Nils Klein

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