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0 Autor: Steffen Eisentraut

From First To Last - dto.

dto.
  • VÖ: 06.06.2008
  • Label: Interscope/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 184

Nach emotionaler Achterbahn und Fast-Aus kehren From First To Last mit neuem Selbstbewusstsein, neuem Sound und neuem altem Sänger zurück.

Dass es die Band überhaupt noch gibt, ist ein kleines Wunder. Die letzten zwei Jahre waren ein stetiges Auf und Ab für den gefeierten Screamo-Nachwuchs. 2006: Chart-Einstieg mit "Heroine", Plattenvertrag beim Majorlabel Capitol, Headliner-Tourneen. So weit, so gut – wäre da nicht ein Typ namens Sonny Moore. Das blutjunge Sangestalent muss sich im selben Jahr zwei Mal Knoten an den Stimmbändern entfernen lassen; die Beschwerden verschwinden nie vollständig. Im Februar 2007, mitten im Songwriting fürs nächste Album, gibt Moore seinen Ausstieg bekannt. Wenig später droppen Capitol ihre einstigen Hoffnungsträger aus finanziellen Gründen. FFTL machen dennoch weiter. Gitarrist Matt Good, der schon auf der ersten EP gesungen hatte und danach für Backgrounds zuständig war, übernimmt die Vocals. Man geht auf eigene Kosten ins Studio, bevor man mit den Demos bei Universal landet und erneut aufnehmen darf. Das Ergebnis ist nicht betitelt und soll nach eigener Aussage den wahren Kern von FFTL zeigen. Ein trotziges Statement gegen all die Pessimisten und Nörgler, die der Band ohne ihren charismatischen Ex-Frontmann keine Zukunft mehr gaben. "From First To Last" wirkt in diesem Kontext wie befreites Durchatmen, wie unbeschwertes Laufen, nachdem man Ballast abgeworfen hat. Ein unterschwelliger Optimismus, den man so nicht kannte, macht sich breit. Von der klaustrophobisch-kühlen Atmosphäre, der dunklen Zerrissenheit auf "Heroine" ist wenig geblieben. Man findet auch keine ungestümen Tagebucheinträge mehr, wie sie noch vor vier Jahren augenzwinkernd

auf dem Debüt formuliert wurden. Das hier sind raumgreifende

Rock-Songs für die Post-Emo-Ära. "From First To Last" kommt schnell

zum Punkt: klare Melodieführungen, knackige Power-Refrains. Unter

der Ägide von Top-Produzent Josh Abraham (Slayer, Pink, Weezer) und

Mischpult-Profi Brendan O'Brien (Pearl Jam, RATM) hat man den immer

schon vorhandenen Pop-Appeal konsequenter als je zuvor ins

Rampenlicht gesetzt. FFTL wollten einen Neustart und dabei nichts

dem Zufall überlassen. Vielleicht ist das der Grund, warum das

Album letztlich doch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Es

braucht keine drei Durchgänge, um zu verstehen und mitzugehen, doch

was passiert nach dem zehnten? Bestätigt sich der leise Verdacht,

dass diese Platte den Langzeittest nicht überstehen wird, liefern

uns FFTL zumindest für den Moment perfekt arrangierte

Kurzweil-Hits.

Bewertung: 7/12

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