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0 Autor: Markus Hockenbrink

The Fratellis - Here We Stand

Here We Stand

Wer hat eigentlich behauptet, dass sich das zweite Album unbedingt von dem ersten unterscheiden muss? Die Fratellis jedenfalls nicht.

Ein Jahr nach "Costello Music" wird die neue Ernte eingefahren, und das Gefühl dazu entspricht dem Aufwachen im Festivalschlamm: Erst mal ein Bier und dann weitersehen. Als Nachzügler beim großen Brit-Rock-Revival hatten es die Fratellis ja auch schwer genug, ein eigenes Image zu kultivieren, hat aber trotzdem geklappt. Einfach ein Fantasie-Familienname und einen Pubrock-Sound, der das Vergnügen groß schreibt. Auch auf "Here We Stand" präsentieren sich die Fratellis als zeitgemäße Alternative zu Oasis, ohne die prolligen Ahnen dabei zu verleugnen: genauso breitbeinig, aber deutlich weniger selbstgefällig und vor allem mit mehr Zähnen. Die Glasgower holen tief Luft vor jedem Refrain und poltern dann im Chor los. Alles schön retro, aber eben mindestens genauso frisch und lustig, und immer eher inspiriert als konstruiert. Vorstellbar, dass man auch in US-Haushalten mit Konföderiertenflagge auf der Veranda diese Platte mögen könnte - die musikalische Fanfreundschaft zu Kings Of Leon, White Stripes und Black Crowes klingt halt gelegentlich durch. Genau wie das große heterosexuelle Herz der Dreierbande, das gleichermaßen sentimentale wie augenzwinkernde Tracks à la "Lupe Brown" erst möglich macht. Zärtliche Rabauken allesamt, die freitags saufen, samstags raufen und dann am Sonntag mit der Oma Konfekt futtern. "Here We Stand" ist keine Konfrontation, sondern ein Familienfest, ein Rock'n'Roll-Barbecue mit kurzer Lunte. Um Mitzusingen genügt eigentlich schon ein Durchlauf der CD, "My Friend John" wird sofort zu unserem Freund John, "Shameless" ist vor allem schamlos eingängig. "Well, the night was spent and my money was young", singen die Fratellis gleich im Opener und erläutern dadurch nebenbei, was sie so witzig finden: Frauen, Freizeit und sich selbst. Wie weit man mit Selbstironie kommt, zeigen auch das frivole "Acid Jazz Singer" und das wilde "Tell Me A Lie", für dessen Strophen ein gewisser Bob-Dylan-Klassiker als Geisel genommen wurde. Doof ist eigentlich nur das mittig platzierte "Mistress Mabel", das mit seinem debilen Refrain die Nerven strapaziert, die dann in "Baby Doll" wieder geflickt werden müssen. Das macht unterm Strich allerdings zehn ausgelassene Party-Songs, die auch besoffen nicht aggressiv werden. Und die Gewissheit, dass wohl niemand aus dieser Band auf absehbare Zeit ein elektronisches Nebenprojekt ins Leben rufen wird.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 8.2/12

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