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0 Autor: Philipp Welsing

Tindersticks - The Hungry Saw

The Hungry Saw

Ritsch, ritsch, ritsch – in der Mitte durchgesägt ist das Herz. Aber keine Bange: Die Übeltäter kitten sofort wieder.

Augenzwinkernd und "Heile-heile Gänschen" singend. Ganz zu Anfang wecken die einst so mächtigen Tindersticks Hoffnung auf alte Größe. Die Säge singt ("Introduction"); Stuart Staples trauert der Vergangenheit hinterher – all die "Yesterdays Tomorrows" sind jetzt da, da dreht niemand mehr was dran. Das vibrierende Timbre lockt zum kollektiven Weinabend. Im Sinne von: Abend mit viel Weinen. Die Stimmung hat etwas von dieser Endgültigkeit, die Staples so herrlich deprimierend vortragen kann. Und dann reißen plötzlich zaghafte Bigband-Momente mit ihrem Beinahe-Go!-Team-Vibe ein dickes Loch in die Melancholie ("E-Type"). Warum denn nur? "The Organist Entertains" – das muss man auch wirklich nicht unterschreiben, bei so einem lustlosen Füllsel-Song. Alles so bunt hier, ganz allgemein. Das ist nichts Neues, die Tendenz gab es lange vor diesem Quasi-Comeback. Nur wünscht man sich, kommt eine Band zurück, ihre Hochform herbei, nicht die spannungslose Spätphase vor dem Stillstand. Staples will einfach nicht mehr so traurig sein wie früher. Er liebt jetzt Kinderlieder. Manche finden das schade. Dann lieber die neue Portishead hören, während der Wunsch nach einem Duett Gibbons/Staples langsam verblasst. Oder eben die kleinen Höhepunkte dieses Albums, das durch sie durchweg gut wird. Was nicht gut genug ist für ein Comeback dieser Band.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 9.0/12

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