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The Black Dahlia Murder - Nocturnal

Nocturnal

Doppelkrezension mit Skeletonwitch - Beyond The Permafrost

Kaum eine Zielgruppe ist so treu wie der gemeine Metalfan. Vielleicht liegt das an den nicht minder treuen Musikanten. Deshalb: Hier nun zwei Bands, auf die die (Metal-)Welt gewartet hat.

Für mittelschweren Aufruhr sorgten The Black Dahlia Murder, als sie 2003 mit ihrem Debüt "Unhallowed" und dem darauf enthaltenen Hit "Funeral Thirst" Detroit eine ganz neue Schattierung des Rockcity-Daseins abgewannen. Fünf jugendliche Spackos mit ordentlich Tattoos und nicht mal ausschließlich langen Haaren bedienten den Extreme-Metal-Apparat auf zeitloseste Art und Weise. Deepes Gegrowle, Blastbeats und das typische Vokabular begeisterten Wikinger, Deathheads, Moshkönige und Rockhard-Leser. Beim zweiten Album "Miasma" kamen dann ein untypisches Artwork und seltsame Songtitel wie "I'm Charming" oder "Dave Goes To Hollywood" hinzu. Nach der dazugehörigen Tour stieg Schlagzeuger Pierre Langlois aus und düstere Zeiten begannen für die Band, die ohne neues Material dastand. Das gibt es nun auf "Nocturnal" und ist traditioneller denn je. Schon für das Cover hat sich die Band Kristian Whalin geangelt, der bereits für Tiamat und Lake Of Tears den Pinsel schwang. Hat man den dunklen Turm erst betreten, gibt es kein Entrinnen mehr. Gitarrenstakkati schubsen einen steinerne Wendeltreppen hinunter. Die Vocals reißen einem die Eingeweide heraus und besudeln blutig die tuckernden Beats. Ohne Pause, ohne schwelgerische Melodien hetzen die Songs wie ein Rudel Wölfe durch die Nacht. Brrrrrr. In punkto Hetzjagd stehen Skeletonwitch den Detroitern in nichts nach. Eine minimale Portion Epik schleicht sich ein in "Beyond The Permafrost". Alles andere ist purer Thrash-Metal-Wahnsinn, wie er 1986 nicht frischer hätte klingen können. Exodus, Slayer, Mercyful Fate, Sodom, Annihilator und die Ära Metallicas, als Cliff Burton den Bass in der Hand hatte – all das haben Skeletonwitch studiert. Nach zwei selbst vertriebenen Platten ("At One With The Shadows", 2004 und "Worship The Witch"-EP, 2006), ist diese hier nun das Quasi-Debüt. Tief verwurzelt in der Szene sind die fünf Spitznieten-Fans, hegen Freundschaften mit High On Fire und Baroness (John Baizley hat das Cover gestaltet!), vor allem aber mit anderen Traditionalisten wie Toxic Holocaust und Municipal Waste. Letztere führen neben Skeletonwitch den Beweis an, dass Thrash alles andere als tot ist und derzeit ein echtes Comeback erlebt. Folglich klingt das Album der Band aus Athens/Ohio auch nicht blank poliert und bis zum Exitus getriggert, sondern blüht erst dann auf, wenn man es richtig laut dreht. Alles andere wäre eh purer Hohn.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.0/12

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