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Texas Is The Reason - Do You Know Who You Are? (Hall Of Fame)

Do You Know Who You Are? (Hall Of Fame)

Wenn Rites Of Spring die Blaupause für Emo abgeliefert haben, haben diese New Yorker das Genre auf die Zukunft vorbereitet. Das sind Songs, die heute wichtiger sind denn je.

„Texas is the reason that the president’s dead“ – so lautet die komplette Zeile aus dem Misfits-Song „Bullet“. Aus ihm haben sich Garrett Klahn (Gesang, Gitarre / Ex-Buffalo’s Copper), Norman Arenas (Ex-Shelter-Gitarrist), Scott Winegard (Ex-Fountainhead-Bassist) und Chris Daly (Ex-108-Drummer) ihren Bandnamen geklaut. Diese fantastischen vier taten sich zu einer Zeit zusammen, als emotionaler, ultramelodischer, vielschichtiger Powerchord-Rock noch neu und frisch war. Das Vorbild für die meisten, die da kommen sollten, waren Sunny Day Real Estate aus Seattle. In deren „Diary“ lasen sie alle. Auch Texas Is The Reason. Trotz Revelation, eines Hardcore-Background und der Heimat New York im Nacken ist „Do You Know Who You Are?“ ein Album abseits von Chauvinismus und Machotum geworden. Hier herrschen Harmonie und Herzschmerz, sammeln sich eingängige Zeilen über Freundschaft, Liebe und Einsamkeit. In großen Gesten und mit einem charmant genölten, nasalen Gesang trägt Garrett Klahn die Songs vor. Benannt hat er das Album nach dem letzten Satz, den John Lennon vor seinem Tod gehört haben soll. Obwohl sich gerade im Bereich Emo und all seiner Ausuferung in der letzten Dekade enorm viel getan hat, hat das Album von seiner emotionalen Wucht nichts eingebüßt. Mitunter verantwortlich dafür ist Produzent J. Robbins. „Do You Know Who You Are“ ist die zweite Platte, die er produzierte. Zuvor spielte er in Bands wie Government Issue, Jawbox, später Burning Airlines und seit 2003 bei Channels. Vor allem aber ist er ein beliebter, beschäftigter und variabler Produzent. Hier räumt er den Gitarren viel Platz ein, sorgt für eine tight treibende Rhythmusgruppe und lässt Klahn und seinen traurigen Texten Raum zur vollen Entfaltung. Unter den neun Songs sind viele Höhepunkte. Das mitreißende „Back And To The Left“ gilt zwar als Hit des Albums, das chorlastige „There’s No Way I Can Talk Myself Out This One Tonight“ oder der phänomenale, druckvolle Opener „Johnny On The Spot“ erfüllen ebenso alle Attribute eines Hits. Das Album bildet schlichtweg das ideale Amalgam aus poppigen Indierockstrukturen, einer Prise Washingtoner Fingerfertigkeit und klischeefreier Hardcoreattitüde. Texas Is The Reason implodierten 1997. Sie wurden von Anfang an als großes Szeneding gehandelt und ihr Album entwickelte sich zu einem der bestverkauften für Revelation. Mehrere Majors bekundeten Interesse, wollten die Band für sich gewinnen. Doch die üblichen internen Spannungen führten zu einem viel zu frühen Tod. Zu einer kurzen Reunion kam es 2006. Immerhin fand sich die Band am 25. und 26. November im Irving Plaza in New York ein, um ihr Album live zu zelebrieren. Reif wäre die Zeit für ein weiteres Werk schon längst. Wenigstens sollte es doch möglich sein, dieses hier mit den raren Single-Tracks als Zugabe wiederzuveröffentlichen.

Leserbewertung: 10.8/12

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