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0 Autor: Daniel Gerhardt

Jeffrey Lewis - 12 Crass Songs

12 Crass Songs

Anti-Punk: Jeffrey Lewis covert die gesetzlosen Krawallbrüder Crass, und es klingt wie von Cartoonfiguren gespielt.

Es ist offensichtlich, dass man den Titel von "12 Crass Songs" nur leicht frisieren müsste, um daraus den besten Namen zu machen, den eine Aggro-Berlin-Platte tragen könnte. Weniger offensichtlich: An Jeffrey Lewis, der hartnäckig zur New Yorker Anti-Folk-Szene gerechnet wird und hier Songs der britischen Thatcher-Ära-Punks Crass covert, ist tatsächlich ein Rapper verloren gegangen. Kein Gangster natürlich, eher die Wanderbarden-Variante mit lockerer Zunge und Akustikgitarre, die seit Anfang der 90er in unregelmäßigen Abständen auch durch Beck Hansen vertreten wird. Aber trotzdem – was Lewis macht, ist Sprechgesang, fast als wollte er herausfinden, wie es klänge, wenn Lou Reed eine Rolle in einem Pixar-Film übernähme. Der Clou an "12 Crass Songs" ist nun, dass Lewis die kämpferischen bis radikalen, teilweise erschreckend tagesaktuellen Crass-Parolen mit seiner gleichgültigen Knödel-Stimme vorträgt und schon allein dadurch in einen völlig anderen, gelösteren, aber niemals albernen Kontext überführt. Nur die musikalische Umsetzung hält da leider nicht mit; Lewis bleibt bei akustischen Genügsamkeiten, bessert selten mit Streichern, E-Gitarre oder Akkordeon nach und verspielt die Chance, dem reizvollen Projekt einen angemessenen Rahmen zu geben. Hart, aber gescheit: Aus derart zornigen Sprechblasen hätte der passionierte Comiczeichner besser eine Bildergeschichte gemacht.

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