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0 Autor: Martin Iordanidis

The Cult - Born Into This

Born Into This

Die Ego-Opern der letzten Jahre könnten den Eindruck erwecken, The Cult wüssten nicht, was sie wollen. "Born Into This" beweist das Gegenteil.

Todestage als Momente der Einkehr. Als Stefan Remmler kürzlich über sein Jugendidol Presley referierte, fiel mal wieder das Stichwort des unsterblichen Rock'n'Roll. Die Hülle des King ist vergänglich, aber sein Geist lebt weiter in Menschen wie Ian Astbury. Dessen Stimme ist hörbar in die Jahre gekommen, klingt dabei aber noch besser als ohnehin. Dass Astbury manchmal am Rande zur Schieflage balanciert, macht sich schon im Opener und Titeltrack bemerkbar. Macht aber nichts. Selbst in der stimmlichen Brüchigkeit eines Johnny Cash rechtfertigt Astburys Kult-Organ das Technikdefizit. Zu hören ist das auf dem Weg zum "Holy Mountain", bei dem tiefe Melancholie am Steuer und der "Man In Black" auf dem Beifahrersitz sitzt. Warum The Cult sieben Jahre nach dem letzten Album schon wieder ein Klassiker gelungen ist, wird weitgehend unerklärlich bleiben müssen. Ein Track in der Härte von "Beyond Good And Evil" findet sich hier nicht, stattdessen kehren The Cult zu den simpelsten Handgriffen des Rock überhaupt zurück. Den XXL-Verzerrer hat Billy Duffy wieder eingemottet, er gibt lieber Vollgas im Rückwärtsgang. "Dirty Little Rockstar" lebt auf wundersame Weise von zwei ultrasimplen Riffs und einer einfachen Gesangslinie – lean management im Dienste des Songwriting. "Illuminated" verführt mit Rock aus besseren Zeiten, "Tiger In The Sun" liefert die deutlichste Referenz an einen Bandsound, der sich immer wieder neu zu erfinden scheint. Warum rocken The Cult so? Weil sie einen verstehen lassen, warum Rock'n'Roll unanständig ist.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 11.5/12

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