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0 Autor: Oliver Uschmann

Unsane - Visqueen

Visqueen

Brutal ausrasten kann jeder. Wer aber bei aller Gewalt Körperspannung, Kontrolle und Präsenz aufrechterhält, ist unüberwindbar.

Die Plattencover dieses Noiserock-"Urgesteins" aus New York waren schon immer straff gestaltete Motive von vollendeten Gewalttaten. Ein Hammer neben dem armen, niedergestreckten Teufel auf seiner blutigen Matratze. Eine Schleifspur aus Blut, die aus einer Wanne führt, die Füße des Opfers noch am unteren Bildrand zu sehen. Dieses Mal hat das Motiv grausig aktuelle Parallelen zu den fast wöchentlichen Meldungen freigesprochener Sexualstraftäter: Es zeigt eine junge tote Frau, eingewickelt in Folie, abgelegt auf einem Feld. Unsane konstatieren die Gewalt in dieser Welt durch die Gewalt ihrer Musik, die sich nicht selbst in wohliger Selbstgefälligkeit als Hooligan des Guten aufspielt, sondern in ihrer Brutalität die fröstelnde Kälte des Bestehenden in jeden Takt einzieht. Die Mittel dazu: Eine knochentrockene, ebenso tighte wie sachliche Rhythmusfraktion und ein Shouter, der die biestige Verbitterung von Sick Of It All in diese Gefilde des leicht sumpfigen, schweren Noiserock rübergeholt hat. Das klingt generell so, als würden ganz frühe Helmet gemeinsam mit Prong, Todd und Ulme eine Neurose erzeugen, findet aber auf "Visqueen" zu bisher unerhörter Kraft und Zugänglichkeit im Rahmen dieser Musik. Der Grund dafür ist die bestechende, klar strukturierte, nahezu "heiteres" Bangen und Mitwippen möglich machende Groove-Wucht von Songs wie "Against The Grain" oder "Only Pain", die die schwere Kost durch deftige Rhythmuslöffel locker in Ohr, Bauch und Bein schaufelt. Ist man so einmal verführt, schlagen sie einen an anderer Stelle noch entfesselt genug zusammen. Sie meinen es ja nur gut.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 10.0/12

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