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The Answer - Rise

Rise

Vier irische Bar-Rocker komme aus dem Nichts und machen den Australiern Wolfmother Konkurrenz; auch die kamen aus dem Nichts. Aber The Answer haben einen strategischen Vorteil: Sie sind auf dem ehrwürdigen AC/DC-Label Albert Productions. Allerdings klingen sie nicht so.

Glück gehabt. Noch ein Akka/Dakka- (wie die Young-Kapelle liebevoll down under genannt wird) Klon wäre des Guten zu viel gewesen. Was bleibt also aus der Retro-Grabbel-Kiste? Wenn alle Stricke reißen, gehen immer Led Zeppelin, Free oder auch Bad Company. Also: Wo Glyder wie Thin Lizzy klingen, klauen The Answer bei Page, Plant, Jones und Bonham oder bei Paul Rodgers. Oder sie klingen wie viele zusammengewürfelte Interessensgemeinschaften aus Los Angeles vor 15 Jahren, als der sinnfreie Hair Metal die Clubs am Sunset Strip regierte. The Answer sind zum Glück nicht ganz so extrem und haben viel bei den Black Crowes gelernt, hätten die Metal-Platten zu Hause. Diese (geliehene) Coolness verleiht dem runden Debüt einen gewissen Charme, der der letzten Darkness aufgrund der Überproduktion gefehlt hat. Nicht ganz so mitreißend wie Wolfmother, nicht ganz so dreist, nicht ganz so ohrwurmig: The Answer lassen, au weia!, viele Fragen offen, u.a. die entscheidende nach dem Warum. Vielleicht sagen sie einfach schnöselig: Warum nicht? Und damit sollte man dann zufrieden sein.
Jörg Staude - 8

Es wäre sicher töricht, sich in diesem Magazin über Klischees aufzuregen. Sie lauern überall, und wir lieben sie ja auch. Hardcore, Punkrock, Emo, Wave –sie alle beinhalten Stereotypen. Das Problem ist somit nicht, dass The Answer nur aus Klischees bestehen, sondern dass sie die falschen Klischees sind für dieses Magazin. Besser passen sie zu dem Blatt, dass The Answer zur besten Band des Jahres 2005 und "Rise" zum besten britischen Rockdebüt des Jahrzehnts kürte: dem Classic Rock Magazine. Die Bands, mit denen The Answer die Bühne teilen, heißen Deep Purple, D.A.D., Alter Bridge und Whitesnake. Vom Scheitel bis zur Sohle feiern The Answer ein Rockmodell, dass die Adjektive "ehrlich, erdig, authentisch" auf lächerliche Weise todernst meint, sich mit Schmirgelpressstimme durch den Reißbrettblues "Memphis Water" jammt und Texte wie "I wanna be your favorite son/ Don't wanna be your only one/ Free me, come to me" zulässt. Man muss sich diese Zeilen zu "kernigem" Mucker-Groove-Rock geröhrt vorstellen, mit Stirnband und geschürzten Lippen bei einem knackigen "baby don't care", bevor das unvermeidliche Solo einsetzt. Dann kommt wieder ein schneller Vorwärtsrocker. "Sweet little baby, won't you talk to much/ Tell me, little girl, can you feel my touch?”, drückt der Frontmann aus Kehle und Eiern, und man wird rot vor lauter Fremdscham. Hier lebt er, der Rock'n'Roll in seiner ganzen reaktionären, inspirations- und humorlosen, handwerklichen Männlichkeit. Mr. Big.
Oliver Uschmann - 3

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