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0 Autor: Carsten Schumacher

Regina Spektor - Begin To Hope

Begin To Hope
  • VÖ: 11.08.2006
  • Label: Sire/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 162 - Schönheit der Ausgabe

Sie ist die Tori Amos der Generation Adam Green, und sie wartet nur drauf, dass es endlich alle wissen. Ihr fünftes Album "Begin To Hope" wird hoffentlich ihr Durchbruch.

Zum ersten Mal sah ich Regina Spektor auf der Tour der Kings Of Leon 2004. Da stand sie hinter der Bühne der Kölner Live Music Hall, vielmehr lief sie auf und ab und kippte sich vor Nervosität immer mehr Whisky in ihre Teetasse. Ganz kurzfristig hatten sie die Brüder aus Tennessee mitgenommen, niemand kannte sie hier. Was nicht an Regina Spektor lag, denn sie gehört in die Ausnahmekategorie jener Künstler, die über ihre Website (reginaspektor.com) beinahe ihr Gesamtwerk zum Stream anbieten. Man kann sein Glück kaum fassen, dort auch die beiden längst vergriffenen ersten Indie-Alben zu finden. Überall diese markante, mal säuselnde, mal schmetternde Stimme, die nie pathetisch wirkt und sich selbst so schlicht wie wirksam auf dem Piano begleitet. Regina Spektor ist eine von jenen, die ihren Konservatoriumsbesuch nicht in jeder zweiten Note zur Schau stellen muss, und dafür möchte man sie ebenso oft umarmen. Die gebürtige Russin ist in die New Yorker Szene gestolpert wie in eine Bahnhofshalle und fiel direkt den Strokes in die Arme. Und die waren direkt von ihrem schüchternen Charme, ihrem Melodiegefühl, ihrem Klavierspiel bezaubert (was sie auf der "Reptilia"-B-Seite direkt festhielten). Ganz wie die Menschen an jenem Abend in der Live Music Hall. Wie immer wurde argwöhnisch geguckt, als statt der angekündigten Vorband jemand völlig Unbekanntes auftreten sollte. Was soll das Kofferklavier, wer ist diese Frau, die offensichtlich ihren Lippenstift nicht zu dosieren wusste? Und dann war’s wie in diesen US-Filmen, in denen Rocky das feindselige russische Publikum durch überzeugende Performance auf seine Seite zieht. Bloß umgekehrt. Man möchte Regina Spektor wünschen, dass genau das nun mit "Begin To Hope" auf breiter Flur funktioniert. Noch leichtfüßiger ist sie hier als auf früheren Platten, tanzt fröhlich zu behutsamen Prisen von Beats und Samples, setzt sich dann wieder ans Manual und schwelgt im Blues ihrer russischen Heimat, verfällt sogar in ihre Muttersprache. Wen das kalt lässt, der hält auch Kate Bush für die Gattin des US-Präsidentin und Fiona Apple für Computerzubehör. Mit diesen Genannten oder auch CocoRosie hat Spektor eins gemein: Sie ist nicht wie, sie ist.

Leserbewertung: 9.8/12

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