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Seeed - Next!

Next!

Bassröhrenhersteller reiben sich mit verschmitzten Lächeln die verschwitzten Hände: Berlins Vorzeige-Beat-Kollektiv bounct wieder durch die Republik.

Seeed haben Fußballteamstärke erreicht, Auswechselspieler inklusive. Da für "Next!" dann auch alle Mann mal an den Reglern drehen und Ideen beisteuern wollten, kann so eine Produktion schnell ein Jahr dauern. Mit der Lebenszeichen-EP "Aufstehen!" wurden alte Fans, die glaubten den Entzug geschafft zu haben, vor kurzem schnell wieder angefixt. Und werden jetzt mit dem frischen Shit versorgt: Seeed haben für "Next!" den Einzugsbereich vergrößert: neben den etablierten Trademarks wie deutschem Dancehall, dem die kredibilen Roots aus den Ohren quillen, und relaxtem Roots-Reggae mit deutsch-englischen Texten bröselt man neuerdings hier und da auch Pharell Williams ähnliche Beats in die Songs; soulige R’n’B-Frauenvocals dringen aus dem Hintergrund und umschmeicheln des Zuhörers Ohr. Ganz gewiefte Miesepeter werden der Band angesichts mancher Textzeile auf RTL2-Niveau die geistige Reife absprechen wollen – was bei manchen Rhymes nicht so unplausibel erscheint. Aber wer auf der Suche nach literarischer Feinkost ist, sollte halt nicht in dieser Großküche bestellen. Das hier ist das musikalische Fitnessstudio aus der Konserve, das ist die Belastungsprobe für Bauch, Po und Beine – und eben nicht für den Kopf. Und das Berliner Sound-System ist dabei gewiefter als die Berliner Regierungs-Sondierungsposse: Seeed haben mit "Next!" die strategisch besser geplante Gute-Laune-Kampagne am Start und machen auch dem letzten Nieselregen geplagten Deutschen verständlich: "Du bist Jamaika!"

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.5/12

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