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0 Autor: Armin Linder

Schrottgrenze - Chateau Schrottgrenze

Chateau Schrottgrenze

Hamburger Hochschule: Mit altem Gefühl und neuem Anspruch reflektieren Schrottgrenze Sinn und Sinnlichkeit. Chapeau!

Manche Bands hinken in ihrer Entwicklung hinterher: Sieht man die Schrottgrenze-Karriere als Menschenleben, steckten sie mit der Deutschpunk-Frühphase noch in den Kinderschuhen, bevor sie mit „Vaganten und Renegaten“ und „Das Ende unserer Zeit“ als Twens ihr selbstgeschaffenes Genre des unpeinlichen Schnulzen-Rock perfektionierten. Das war die Pubertät. Und nach dem Schulabschluss folgt nun, logisch, die Studenten-Zeit. Mit Mitte 20 sind die vier inzwischen reif für die Hochschule, haben sich eingeschrieben an der Universität des Intellektuellen-Pop, Hauptfach Blumfeld, in den Nebenfächern Lektionen in Tocotronic und Die Sterne. Unter der Ägide von Produzenten-Veteran Tobias Levin. Für Erstsemester sind Schrottgrenze ganz schön weit: eine Eins mit Sternchen verdienen sie sich fürs famose „Fotolabor“, mit „Alaska“ bieten sie Professor Distelmeyer intensiv Paroli. Auch in „Wie ein Geist, bloß immer da“ ist von alten Zeiten kaum noch etwas zu spüren. Dafür setzt es in „Am gleichen Meer“ die ganze Vergangenheitsbewältigung en bloc: „Da sind wir in den Drecksphantasien unserer Lehrer / Und da sind wir, hochschwanger und frisch verschwägert / Und wir feiern den Bestand unserer Ideen.“ Angesichts dieser Ideen gibt es tatsächlich immer mal wieder Anlass, um zu feiern, um ein Fass aufzumachen. Das hyperaktive „Kongress“ hätte nicht sein müssen, und in „Wenn du da bist“ kommt der Gefühlsdusel doch noch zurück. Trotzdem: Die Aufnahmeprüfung ist bestanden. Reife Leistung.

Bewertung: 8/12

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