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0 Autor: Philipp Welsing

Pelican - The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw

The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw

Vier Mann beschwören Unheil herauf, lassen den Boden aufreißen und entfesseln einen gewaltigen Instrumental-Wirbelsturm aus Hypnose-Noise. Referenzwürdig, eindeutig.

Gibt es keinen Gesang, der mittels Text Sinn, Intentionen und Eindrücke vorgibt, dann hangelt sich der Hörsinn allein am Klanggerüst entlang. Dann lösen Töne auf dem irrationalen Weg Gefühle aus, feuern die Synapsen zerrissene Eindrücke durchs Hirn, gaukelt der Ton dem geistigen Auge Bilder aus der R.E.M.-Phase vor. Das zweite Pelican-Album ist tief, unterirdisch rumorend wie "The Eye Of Every Storm", das Spätwerk von Neurosis. Ist so ungehemmt melodisch wie das Fundament langsamer Stücke der japanischen Noise-Perfektionierer Envy. Ist mächtig wie "Panopticon" von Isis. Dabei geben Pelican ihrem Ganzen eine ganz unpeinliche, absolut passende Stoner-Note. Vor allem Drummer Larry Herweg darf sich jenen Verdienst auf die Fahne schreiben. "Last Day Of Winter" läutet eine Erfahrung ein, die jeder für sich mit Bildern austapezieren sollte. Die Lider senken und sich vornüberfallen lassen in die aufgesprungene Erde, auffangen lassen vom empordrängenden Gitarrenorkan. Pelican schlagen mit jeder neuen Melodie den Eispickel einen halben Meter höher in ihre selbstgezimmerte Eiswand, nehmen an die Hand, ziehen mit und geben nicht eine Minute Grund, die Aufmerksamkeit schleifen zu lassen. Nicht mal beim fast fünfminütigen akustischen unbetitelten Track vier. Ein triumphal anschwellender Gefühlsritt wie "Sirius" darf der anhaltend kreativen Konkurrenz durchaus als neue Referenz taugen. Das "Feuer in (ihren) Kehlen wird Tauwetter herbeiwinken" – und nebenbei auch noch unsere Herzen auftauen.

Bewertung: 9/12

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