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Bolzplatz Heroes - Dto.

Dto.

Bolzplatz Heroes, die All-Star-Band, die keine sein will. Das Team ist der Star. Und das Team will rocken, nicht für die Kohle, sondern für den Spaß. Vehementes Namedropping würde die Erwartungen hier auch leicht in die Irre führen.

Martin Messerschmidt (The Notwist), Markus Schäfer (Cosmic Casino) sowie Sportfreunde-Drummer Flo und sein Bruder Jörg Weber wollen keine Grenzen einreißen oder in neue kreative Dimensionen vorstoßen, sie wollen einfach nach vorne spielen und den Ball über die Linie bringen. Nicht so niedlich wie bei den Sportfreunden Stiller, nicht so verkopft wie bei The Notwist und erst recht nicht jazzig, wie es Bassist Jörg sonst so gerne treibt. Bei den Bolzplatz Heroes zählen Tugenden wie die Blutgrätsche und das taktische Foul. Oder in die Sprache der Rockliga übersetzt: simple, kantige Riffs, straighte, offensive Beats und verzerrte Shouts. Und ähnlich wie ein Fußballspiel ist das hier auch ganz einfach zu beschreiben: unterhaltsames Gekicke, das sich stilistisch an Helden wie Helmet, Prong, Unsane und auch mal an frühen Biohazard orientiert. Oder, wo dieses Kollektiv von Freunden schon aus dem Münchner Umfeld stammt: ehrlicher Sport nach Art der Sechziger ohne teuer aufpolierten Bayern-Glam-Faktor. Auch wenn man Anflüge von Genialität hier vermissen mag, reicht es am Ende doch zu einem guten, souveränen Arbeitssieg. Die Spielfreude steht halt an erster Stelle.
Dirk Siepe - 7

So hätte das im Falle Bolzplatz Heroes eigentlich ablaufen müssen: Wiesenfete 2000. Vor den Headlinern The Needles, eine lokale Rockband aus ledertragenden Mittvierzigern, spielt die moderne, übermotivierte Gruppe cooler Jungs des Dorfes: Bolzplatz Heroes. Lustiger Name. Die Jungs aus der Clique nicken, denn der Drummer hat einen Snaresound wie Helmet (aus New York City in den USA!), die Mädchen finden den harten Sound ziemlich hart, aber der Sänger hat ganz schön Charisma. Nun zur Realität: Diese Band darf eine Platte veröffentlichen. Weil ihr Sänger der Drummer der Sportfreunde Stiller ist. Harte Rockriffs, zeitweise abgehackt ("Solo Morasso"), paaren sich mit Geschrei oder Gesang, manchmal auch zweistimmig. Und zu Beginn der Platte werden die kompositorischen Löcher phasenweise auch noch durch einen lobenswerten Zug zum Tor gestopft. Letztlich aber ist dieser ungeordnete Haufen aus bemüht-böse ("Diabolic Serpentines") und fast-atmosphärisch ("The Amusement") zu amateurhaft in Idee und Umsetzung. Sie wollen ja. Viele Refrains sind hymnisch punkig ("Front Row"), viele Riffs entschlossen gespielt, aber spätestens der Gesang ist die Schwachstelle dieser Platte. Bemüht entschlossen versucht Flo Weber seinen Hang gegen Unfairness ins Englische zu übersetzen. Das gelingt selten. Vor allem nach dem belanglosen Instrumental "Spin" erreicht das Ganze mittleres Demobandniveau. Das reicht nicht. Dieses Geld hätte anders angelegt werden müssen.
Jochen Schliemann - 3

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