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0 Autor: Peter Hesse

Jon Spencer Blues Explosion - Orange (Platten der Neunziger)

Orange (Platten der Neunziger)
  • VÖ: 09.09.1994
  • Label: Crypt
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 82 - Schönheit der Ausgabe

Die als Gemischtwarenladen getarnte Soul-Groovehölle und nonkonforme Zwischenstation zum Rock’n’ Roll-Heaven.

Mit Judah Bauer und Russell Simins als Stammformation wartete Jon Spencer im Jahre 1 nach Pussy Galore 1992 mit der Blues Explosion auf, um mit deutlich geläuterten Klängen im Musikgeschehen die Spielkarten nochmal neu zu mischen. Hieß es bei Pussy Galore noch, die ursprüngliche Idee von Rock’n’Roll in 10.000 Einzelteile zu zerbomben, sollte mit der Blues Explosion ein Puzzle-Spiel mit feiner sondierten Zutaten beginnen. Wo das vorletzte Album „Now I Got Worry" zu sehr wie ein fragmentarisch dahingekrizeltes Löschblatt wirkt und der aktuelle Output „Acme" als zu leicht ausrechenbarer und ideenarmer Hort sich unpässlich nah in Kreise von altersschwachen Rolling Stones Fans begibt, muss „Orange" eindeutig als Zenit bluesexplosiver Kräfte mit dem Bundesverdienstkreuz aus Blut, Schweiß und Plateausohle ausgezeichnet werden. Hier wurde das Vampirblut von James Brown, die mit Lehm und Matsche geschwängerten Siebenmeilen-Stiefel von Muddy Waters, der durch den Telefonhörer geschnodderte Halbtongesang von Beck, 70er Jahre-String-Arrangements von Helmut Zacharias, die beseelte Plastiklederjacke von Shaft, das Groove-Know-How vom Wu-Tang Clan und der authentische Forscherdrang von Daniel Düsentrieb gut zusammengerührt und deftig abgeschmeckt. Die besondere Attraktivität dieser Platte liegt in ihrem Galerie-Charakter. Man wechselt die Ausstellungsräume, und findet in jedem Zimmer eine neue Stilprägung vor. War man bei „Dang" noch im Detroiter MC5-Rockland, ist man mit „Very rare" ein Zimmer weiter schon bei spätsiebziger New Wave-Klamotten britischer Prägung angelangt, und mündet mit „Orange" im locker aus der Hüfte geschossenen P-Funk-Salon. Wollen wir beten, dass die Spencer-Buben den Blues zukünftig nochmal ähnlich gigantisch explodieren lassen.

Leserbewertung: 12.0/12

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