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17.02.2021 | 11:22 2 Autor: Dennis Drögemüller RSS Feed

Nergal (Behemoth) wegen "Verletzung religiöser Gefühle" verurteilt

News 31395Behemoth-Frontmann Nergal ist wegen "Verletzung religiöser Gefühle" in Polen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Musiker hatte zuvor in den Sozialen Medien ein Bild gepostet, das ihn anscheinend dabei zeigt, wie er auf ein Bildnis der Jungfrau Maria tritt. Das Urteil will er nicht akzeptieren.

Im September 2019 hatte Behemoth-Kopf Adam Darski alias Nergal jenes Bild gepostet, wegen dem er nun vor Gericht stand. "Am Set" schrieb der polnische Staatsbürger damals unter ein Bild, in dem er seinen Stiefel auf ein aus dem Rahmen gebrochenes und am Boden liegendes Bildnis der Jungfrau Maria stellte. Als Reaktion darauf hatten laut der englischsprachigen Webseite Notes From Poland offenbar eine ultrarechte Juristen-Vereinigung sowie eine weitere Organisation eine Strafverfolgung gefordert, weil Nergal ihrer Ansicht nach "die religiösen Gefühle von vier Menschen verletzt" habe, darunter ein Lokalpolitiker der konservativen polnischen Regierungskoalition.

Beide Organisationen hätten den Vorwurf in Befragungen durch ein Gericht in Warschau bekräftigt, zudem habe das Gericht einen Experten der Religionswissenschaft befragt, der "eindeutig zu dem Ergebnis kam, dass es religiöse Gefühle verletzt, mit einem Schuh auf ein Bild der Jungfrau Maria zu treten", so eine Sprecherin des Gerichts laut "Notes From Poland". Das Gericht entschied daraufhin, Nergal solle 15.000 polnische Zloty (umgerechnet rund 3.300 Euro) Geldstrafe sowie Gerichtskosten von 3.500 Zloty (rund 780 Euro) zahlen.

Der Musiker will das Urteil jedoch nicht akzeptieren und in Berufung gehen, sodass der Fall nun in Form einer Hauptverhandlung vor Gericht gehen wird. Sollte Nergal auch dort unterliegen, drohen ihm nach polnischem Recht bis zu zwei Jahre Gefängnis. Das christlich geprägte Polen ist für seine konservative Haltung im Zusammenhang mit religiösen Themen bekannt.

Nergal hatte bereits in der Vergangenheit Ärger mit der polnischen Justiz gehabt: Im Januar 2018 war ihm im Zusammenhang mit Merchandise und Artwork zur "Republic Of The Unfaithful"-Tour von Behemoth vorgeworfen worden, das polnische Staatswappen "beleidigend" verwendet zu haben. Wenige Monate darauf meldete Nergal jedoch, die Vorwürfe seien fallen gelassen worden. Schon 2007 hatte Nergal zudem bei einem Konzert eine Bibel zerrissen und sie "ein Buch der Lügen" genannt sowie die katholische Kirche als "mörderischsten Kult des Planeten" bezeichnet. Auch in diesem Fall war er vom Vorwurf der Verletzung religiöser Gefühle freigesprochen worden.

Behemoth wollen im Herbst 2021 mit Arch Enemy zusammen auf Tour gehen, Tickets gibt es bei Eventim. Zudem hat die Band einen Vertrag bei Nuclear Blast unterschrieben, wo im Herbst 2021 ihr nächstes Studioalbum erscheinen soll.

Facebook-Post: Nergals Posting, das zur Verurteilung führte

VISIONS empfiehlt:
Arch Enemy + Behemoth + Carcass + Unto Others

15.10. Berlin - Columbiahalle
20.10. Wien - Gasometer
22.10. Ludwigsburg - MHP Arena
26.10. Zürich - Samsung Hall
27.10. Frankfurt/Main - Jahrhunderthalle
29.10. München - Zenith
30.10. Düsseldorf - Mitsubishi Electric Halle
31.10. Hamburg - Edel-optics.de Arena

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Kommentare (2)

Avatar von wilder rockerr wilder rockerr 17.02.2021 | 18:33

Da sieht man mal, wie intolerant manche Religionseiferer sind und wie wenig sie von freier Meinungsäußerung halten (dabei gibt die kath. Kirche, Stichwort Missbrauchskandale, aktuell viel Anlass, ihr mit Ablehnung zu begegnen). Müssen Religionen mit (überspitzer) Kritik und Verunglimpfung im Rahmen der Kunst- und Meinungsäußerung leben oder gilt es den Glauben von Milliarden von Menschen zu respektieren und nicht willentlich zu verletzen?

Mich wird vor allem die Reaktion aus der Musikwelt interessieren und ob sich andere Musiker da sympathisierend oder negativ positionieren. Bezüglich der vermutlich eher maßvollen Reaktionen in der westlichen Musikwelt bin ich auf ein anderes Phänomen der Religionstoleranz gestossen:

Würde ein christlicher Sänger auf einem muslimischen Mohammed-Bild oder dem Koran rumtrampeln, wäre ganz sicher der Teufel los und derjenige würde vermutlich auf vielen festivals der westlichen Welt kein gern gesehener Gast mehr und vermutlich ausgeladen (ich würde auch nicht die Hand dafür ins feuer legen, dass auch die VISIONS einen Musiker dann mit einem Bann belegt, der in den sozialen Medien einen Koran zertrampelt). Nach dem Motto: Kritisiere als westlicher Musiker bitte nur deine eigene Religion, aber nie eine andere.
Meine Schlussfolgerung: Ob man religiöse Verunglimpfung und Verletzung von Gläubigen als Meinungsfreiheit oder Tabubruch wertet, hängt nicht zuletzt von der Religion ab, um die es geht. Bei manchen scheint die Toleranzschwelle höher zu sein als bei anderen. In meinen Augen keine gesunde Entwicklung, wenn man doch alle Religionen als gleichwertig ansieht.

PS: Wäre vielleicht auch mal ein Special im Heft wert: Die Rolle von und der Umgang mit Religion(skritik) in der Rockmusik.

Avatar von januskopf januskopf 18.02.2021 | 13:19

Insgesamt geht es bei dem Thema, glaube ich, weniger um eine Religion / Glaubensgemeinschaft als Ganzes, sondern vielmehr um die einzelnen Menschen, die diese "Botschaft" erreicht.
Die katholische Kirche als Organistation geht damit sicher souveräner um als einzelne fundamentalistische Eiferer innerhalb der Kirche.
Aber, wenn man so etwas tut, weiß man in der Regel ja, was einen da für eine Reaktion im Anschluss erwartet. Er lebt in Polen, kennt die Zustände dort und hatte diesbezüglich ja auch schon mal Stress. Er hat den neuerlichen Stress also bewusst in Kauf genommen, aus welchen Gründen auch immer. Dass im Anschluss kein Aufschrei durch ganz Polen gehen wird, der lautstark eine Veränderung fordert, sollte ihm auch klar gewesen sein. Veränderung mit der Brechstange finde ich persönlich ohnehin eher nicht ideal.
Natürlich kann man die Zustände, die in Polen herrschen, kritisch sehen
(ich bin durchaus ein christlich denkender Mensch, aber warum meine Gefühle verletzt werden sollen, wenn jemand auf einem Bild herumtrampelt, erschließt sich mir nicht... es ist einfach nur ein Bild), aber verändern wird man sie durch solche Holzhammer-Methoden sicher nicht.
Ein bisschen provozieren ist ja auch durchaus gut (für Rockmusiker sicher auch aus Image-Gründen) und okay, aber man sollte das richtige Maß finden. Um wilder Rockers Beispiel vom Mohammed-Bild aufzugreifen: wenn ich einen Teil der muslimischen Bevölkerung so provoziere, dass sie anfangen, Jagd auf mich und/oder andere "Nicht-Gläubige" zu machen, dann ist dieses Maß mit Sicherheit überschritten und bei aller berechtigten Kritik hätte ich vielleicht eine etwas subtilere Form wählen sollen. Die ultra Konservativen wird diese Kritik zumindest kurzfristig (und wahrscheinlich leider auch oftmals langfristig) sowieso nicht erreichen, sondern nur ihren Hass schüren.

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