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11.02.2021 | 11:22 3 Autor: Dennis Drögemüller RSS Feed

Kommentar: "Die Kritik an Phoebe Bridgers' Gitarren-Zerstörung ist spießig und sexistisch"

News 31381Am vergangenen Wochenende feiert Singer/Songwriterin Phoebe Bridgers ihr Debüt bei der reichweitenstarken Late-Night-Comedy "Saturday Night Live". Als Höhepunkt ihrer Performance zerschlägt sie ihre Gitarre auf einer Monitorbox - und tritt damit im Internet einen Shitstorm los. Wäre sie ein Mann, wäre es vermutlich kaum der Rede wert gewesen, kommentiert Dennis Drögemüller.

Die in den sozialen Medien aufgeflammte Kritik an Phoebe Bridgers' Gitarren-Zerstörung ist nicht nur spießig und bigott, sondern auch sexistisch. Spießig, weil hier Fans des großen Tabubrechers Rock im Tonfall ihrer Eltern zur Mäßigung mahnen. Bigott, weil man schwerlich einerseits auf den heiligen Wert von Instrumenten pochen und andererseits das ressourcenverschlingende, bislang wenig nachhaltige Luxusgut Rockmusik feiern kann. Vor allem aber eben sexistisch, weil jahrzehntelang die Gitarrenopfer von Männern wie Pete Townshend, Jimi Hendrix, Paul Simonon, Kurt Cobain und Trail Of Dead nicht nur hingenommen, sondern sogar gefeiert wurden, während jetzt eine junge Künstlerin für das Gleiche gegeißelt wird.

Die Psychologie dahinter ist offensichtlich: Eine Frau, noch dazu eine aus dem "mädchenhaften" Singer/Songwriter-Genre, maßt sich an, eine der symbolträchtigsten Gesten des männerbündischen Rock für sich zu beanspruchen – da verfallen die Szenepolizisten und Museumswärter des Genres in ihre alten Beißreflexe gegen weibliche Beteiligung. Zwar taugt Bridgers' Show-Einlage nicht dazu, sie zur Retterin des gefährlichen, rebellischen Rock hochzuschreiben; sich vorher mit der Gitarrenfirma abzusprechen und eine Fake-Monitorbox auf die Bühne zu stellen, ist das Gegenteil eines impulsiven Moments. Und natürlich kann man generell finden, dass Gitarrenzerschmettern eine ziemlich überkommene Gebärde einer vergangenen Ära ist, die 2021 höchstens noch als ironisches Zitat taugt.

Nur übersehen die Kritiker, dass sie genau das war: Die für ihren scharfen Witz bekannte Bridgers dürfte in der US-Comedy-Show Nummer 1 wohl eher auf Humor als auf Traditionspflege aus gewesen sein. Und wenn sich eine Ikone wie David Crosby auf Twitter sauertöpfisch an Bridgers abarbeitet und diese ihm seine sexistische Herablassung mit einem so trockenhumorigen wie entlarvenden "Little Bitch" zurückspiegelt, ist sowieso eindeutig, wem hier die Zukunft des Rock gehört.

Video: Phoebe Bridgers - "I Know The End" (bei SNL)

Tweet: David Crosby vs. Phoebe Bridgers

Tweets: Kommentare zu Phoebe Bridgers bei SNL

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Kommentare (3)

Avatar von Alphex Alphex 11.02.2021 | 15:32

Nichtdiskussion.

Avatar von Le Stoffi Le Stoffi 13.02.2021 | 10:09

Ich finde die Aktion von Phoebe Bridgers geil. Das sollten viel mehr Musikerinnen machen.
Und was David Crosby und Co. angeht: Go f*** yourself!

Avatar von wilder rockerr wilder rockerr 14.02.2021 | 20:58

Ich bin in den so-genannten "sozialen Medien" nicht so aktiv, aber kann es sein, dass es heutzutage schon ein "shitstorm" ist, wenn sich eine Handvoll mehr oder meist wenig bekannte Leute zu Wort melden und ihren Senf zu allem breit treten !?!?! Vielleicht sollten alle Beteiligten, von den vermeintlichen Shitstormlern bis zum Kommentator hier, sich einfach mal in Gelassenheit üben und diese Sache als das nehmen, was sie ist: Total irrelevant. Hätte es Instatwitchclubhosetwitterfacebookundwasnichtalles schon in den 90ern gegeben: Querkopf Curt Cobain hätte wohl vor lauter künstlichem medialen Gegenwind schon vor 1994 freiwillig das zeitliche gesegnet.

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