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10.11.2020 | 10:16 0 Autor: Dennis Drögemüller RSS Feed

System Of A Down über ihre neue Musik: "Das hier ist wichtiger als unsere Egos"

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Foto: Bandcamp

System Of A Down haben sich zu ihren beiden gerade kürzlich veröffentlichten Songs geäußert. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach hätte demnach dafür gesorgt, dass die Band interne Konflikte beiseite geschoben und im gemeinsamen Interesse in kürzester Zeit die ersten neuen Songs seit 15 Jahren aufgenommen habe.

System Of A Down hatten am vergangenen Freitag überraschend zum ersten Mal seit eineinhalb Jahrzehnten gemeinsam neue Musik veröffentlicht. "Diese beiden Songs, 'Protect The Land' und 'Genocidal Humanoidz', erzählen beide von einem schrecklichen und ernstzunehmenden Krieg, der gerade an unseren kulturellen Heimatländern Arzach und Armenien verübt wird", schrieben die vier armenischstämmigen US-Musiker dazu in einem längeren Statement. Der Release war vor allem deshalb eine Überraschung, weil System Of A Down trotz gelegentlicher gemeinsamer Auftritte in musikalischen wie politischen Fragen zuletzt uneinig wirkten.

Nun haben sich Bassist Shavo Odadjian und Sänger Serj Tankian gegenüber dem in Los Angeles ansässigen Fernsehsender Fox 11 zur Entstehung der neuen Songs geäußert. Demnach sei die Initiative dazu von Trump-Fan John Dolmayan ausgegangen, der mit seinen fragwürdigen politischen Äußerungen zuletzt öfter wie das schwarze Schaf der Bandfamilie gewirkt hatte. "Er schrieb uns und meinte, wir müssten alles [an Konflikten] hinter uns lassen und etwas tun", so Odadjian. "Das ist wichtiger als wir, wichtiger als unsere Emotionen, wichtiger als unsere Gefühle, wichtiger als unsere Egos. Los geht's."

Ein Moment der Gewöhnung habe die Band zusammen im Proberaum laut Odadjian dann aber gebraucht. "Am Anfang war die Anspannung groß, weil keiner wusste, wie der andere drauf sein würde, aber schon nach fünf Minuten redeten wir miteinander, lachten, sprachen über den Song und wie er ausfallen sollte, wie wir helfen würden und wie all das unserem Volk nützen würde." Die Band sei sich demnach bewusst gewesen, dass das Interesse nach 15 Jahren ohne Musik hoch sein würde.

Das wolle die Band nutzen. "Es geht darum, Aufmerksamkeit auf die humanitäre Katastrophe zu lenken, die von Aserbaidschan und der Türkei verübt wird - und darum, Geld zu sammeln. Wir als Band spenden alle Einnahmen an den Armenia Fund", so Sänger Tankian. Die 1994 in Los Angeles gegründete NGO fördert die wirtschaftliche Entwicklung von Armenien und insbesondere den Wiederaufbau der durch kriegerische Konflikte zerstörten Region Bergkarabach.

Text und Musik für beide Stücke schrieb Gitarrist Daron Malakian, Bassist Odadjian wiederum fungierte als Co-Regisseur und Produzent eines Musikvideos zu "Genocidal Humanoidz", das derzeit fertiggestellt wird. Zu "Protect The Land" war bereits ein Clip erschienen. "Es ist ein Kampf für die Zivilisation. Es ist ein Kampf gegen den Terrorismus. Die ganze Welt sollte sich einmischen", sagte Tankian abschließend zur Motivation von System Of A Down.

Zu einer Zukunftsperspektive für System Of A Down und möglicher weiterer Musik äußerten sich die Bandmitglieder nicht.

Bergkarabach wird vom islamisch geprägten Aserbaidschan beansprucht, erklärte sich jedoch im Zuge des Bergkarabachkonflikts Anfang der 90er für unabhängig. In der Region leben größtenteils christliche Armenier, Armenien unterstützt den dort ausgerufenen Staat Republik Arzach, der jedoch von den Vereinten Nationen nicht anerkannt wird. Ende September war der Konflikt mit Aserbaidschan und seinem Verbündeten Türkei erneut in Kampfhandlungen eskaliert.

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