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01.07.2019 | 10:30 1 Autor: Martin Burger RSS Feed

Nick Cave äußert sich differenziert zu Morrisseys politischer Einstellung

News 30045

Foto: David Shankbone (CC BY 3.0), Charlie Llewellin (CC BY-SA 2.0)

Nick Cave hat als Antwort auf die Frage eines Fans eine dezidierte Meinung zu Morrisseys Musik und dessen politisch fragwürdigen Äußerungen abgegeben. Cave plädiert für eine getrennte Betrachtung von (früherer) Kunst und Künstler.

Auf der Webseite The Red Hand Files, wo Cave sich ausführlich Fragen seiner Fans widmet, lautete die jüngste: "Kann man den heutigen [Morrissey] überhaupt von seiner früheren Kunst trennen? Genauer: Wie stehst du zum früheren Morrissey und zu seiner aktuellen, hässlicheren Person?"

Den ersten Teil bejaht Cave: "Wenn ich einen Song schreibe und ihn veröffentliche, ist es nicht mehr mein Song. Er wurde meinem Publikum angeboten, und wenn es will, nimmt es ihn an und wird sein Verwalter. Die Integrität des Songs liegt nun nicht mehr beim Künstler, sondern beim Hörer." Die Ansichten und das Verhalten eines Künstlers seien davon getrennt zu betrachten, fährt er fort: "Morrisseys politische Meinung ist irrelevant. Auf welche Dummheiten er auch beharrt, wir können die Tatsache nicht übersehen, dass er einen umfangreichen und außergewöhnlichen Backkatalog hat, der das Leben seiner vielen Fans unheimlich verbessert hat. Das ist keine Nebensächlichkeit. Er hat originäre und unverwechselbare Werke von unvergleichlicher Schönheit geschaffen, die seine beleidigenden politischen Bündnisse überdauern werden."

Auch glaubt Cave, dass man Morrissey die Freiheit einzuräumen habe, seine Ansichten öffentlich zu machen, "so wie andere die Freiheit haben sollten, diese Ansichten anzufechten - und sei es nur, um zu erfahren, in welcher Gestalt der Feind erscheint. Die Behauptung, mit der Verteidigung des Rechts einer Person auf ihre Meinung mache man sich mit deren Ansichten gemein, ergibt keinen Sinn und trifft den Kern des Problems selbst - nämlich die Gleichsetzung von Redefreiheit mit Bigotterie. In der Tat ein gefährliches Terrain."

"Vielleicht ist es besser, Morrissey einfach seine Ansichten lassen", schließt Cave seine Antwort. "Ihnen wann und wo immer möglich entgegenzutreten, aber seine Musik weiterleben zu lassen. Besonders wenn man bedenkt, dass wir alle konfliktbehaftet sind - chaotisch, fehlerhaft und anfällig für Idiotie. Wir sollten Gott danken, dass es einige unter uns gibt, die Werke von solch über alles hinausgehender Schönheit schaffen, dass es sich die meisten von uns kaum vorstellen können - selbst wenn einige dieser Menschen regressiven und gefährlichen Glaubenssystemen zum Opfer fallen."

Vor kurzem war Morrissey in der US-TV-Sendung "The Tonight Show Starring Jimmy Fallon" aufgetreten, am Revers einen Anstecker mit dem Logo der britischen Rechtsaußen-Partei For Britain. Schon in der Vergangenheit hatte er seine Sympathie für die anti-islamistische Bewegung bekundet. An seinem im Mai veröffentlichten Cover-Album "California Son" waren auch einige Gäste beteiligt, von denen sich zumindest die Sängerin Ariel Engle (Broken Social Scene) von seinen politischen Aussagen distanzierte und ihren Beitrag zur Platte bereute.

Cave seinerseits sind Zwickmühlen nicht fremd. Ende 2017 hatte er mit einem klaren, aber bedachten Statement seine Entscheidung verteidigt, in Israel aufzutreten. Zuvor war er von einigen Künstlern öffentlich aufgefordert worden, die beiden Shows abzusagen.

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Kommentare (1)

Avatar von stalker stalker 01.07.2019 | 11:04

Da bin ich zu 100% bei Cave und gerade aus dieser Überzeugung heraus hielt und halte ich etwa auch den Ausschluss von Bands wie "Brand New" aus dem Visions-Kosmos für den falschen Umgang mit Musik, die von Produzenten stammt, deren Meinungen und Handlungen man getrennt von ihrem Schaffen kritisch sehen muss.

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