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22.10.2018 | 11:20 0 Autor: Gerrit Köppl RSS Feed

Feine Sahne Fischfilet reagieren auf Bauhaus-Absage, Kritik auch aus eigenen Reihen

News 29185

Foto: Andreas Hornoff

Feine Sahne Fischfilet haben ein Statement zur Konzertabsage in Dessau veröffentlicht. Dort sollte am 6. November im Rahmen einer ZDF-Konzertreihe ein Auftritt im Bauhaus stattfinden. Das Bauhaus machte nach Druck von CDU und AfD von seinem Hausrecht Gebrauch und untersagte die Show - die Entscheidung wird von vielen Seiten scharf kritisiert. Die Punkband will trotzdem auftreten.

Nach politischem Druck seitens der CDU Sachsen-Anhalt und der AfD, die sich echauffierte, dass man "einer linksextremistischen Band ein solches Forum bietet", untersagte das Bauhaus in Dessau die Ausrichtung des Konzertes in den eigenen Räumen, "um nicht erneut zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression zu werden." In einem späteren Statement betonte man, die Entscheidung dazu sei schon vor der Stadtratssitzung gefallen, in der der Auftritt politisch thematisiert wurde. "Wir lassen uns hier von der AfD nicht vereinnahmen", schreibt das Bauhaus Dessau.

Feine Sahne Fischfilet reagierten am Freitagabend in einem ausführlichen Statement auf die Absage. "Es ist doch wohl klar, dass wir am 6.11. in Dessau spielen werden", eröffneten sie es, schilderten erneut die Situation und fügten an, dass auch ausgewiesene Neonazis im Netz gegen ihren Auftritt Stimmung gemacht hätten. "Dass das Bauhaus einknickte vor dieser rechten Allianz, setzt neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die CDU schüchtert zusammen mit der AfD und Neonazis eine Kultur- und Bildungsstätte ein, um ein Konzert von uns in Dessau zu verhindern."

"Es geht hier überhaupt nicht darum, ob man unsere Musik feiert, ob man das feiert was wir machen oder es toll findet, wie wir sind. Vielmehr geht es darum, dass mit solchen Sachen immer weitere Dammbrüche entstehen. Schon jetzt werden in Sachsen-Anhalt so tolle Vereine wie der Miteinander e.V. in der gleichen Weise von diesen rechten AkteurInnen angegangen. Wenn man so etwas unwidersprochen lässt, kann man sich schon mal auf die Zukunft freuen und warm anziehen. [...] Wenn wir und viele andere Menschen bei jeder kleinen Einschüchterung sich gleich wegducken und jedes Konzert absagen würden, welches die Nazis zur Weißglut bringt, dann würde hier nahezu gar nix mehr gehen."

Man werde einen Weg finden, am 6. November trotzdem in Dessau zu spielen. Kritik an der Absage durch das Bauhaus Dessau gab es auch aus den eigenen Reihen: Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, der in diesem Jahr auch als Vorsitzender des Bauhaus Verbund fungiert, lud die Band laut der Berliner Zeitung zusammen mit dem Trägerverein des Berliner Bauhaus-Archivs ein, das Konzert eben dort zu spielen. Er kritisierte außerdem die Begründung des Bauhaus Dessau für die Absage: "Das Bauhaus ist nicht nur irgendeine Kunstrichtung oder Kunstschule, es hat auch eine eminent politische Bedeutung gehabt", zitierte er sich selbst auf Twitter.

Im Netz kursiert ein internes Schreiben von fünf Professorinnen und Professoren des Bauhaus Weimar an die Direktorin des Bauhaus Dessau, Dr. Claudia Perren. Darin heißt es unter anderem: "In der gegenwärtigen Situation, in der die extreme Rechte auf unterschiedlichen Ebenen austestet, welche Macht sie bereits bis in die Mitte der Gesellschaft erlangt hat und wie sie die politische Agenda prägen kann, hätten wir von einer Institution, die sich auf das Bauhaus beruft, deutlich mehr Zivilcourage erwartet." Pressesprecherin Romy Weinhold bestätigte VISIONS gegenüber die Authentizität dieses Briefs. Den vollständigen Text haben wir auf Facebook zitiert.

Auch innerhalb der CDU meldeten sich inzwischen kritische Stimmen. "Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters etwa der Deutschen Presse-Agentur. Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra dagegen verteidigte die Entscheidung des Bauhaus Dessau in einem Gespräch mit MDR Kultur mit Blick auf die Kunstfreiheit. Auch die Direktorin des Bauhaus Dessau dürfe die Freiheit der Kunst in Anspruch nehmen. Bauhaus-Gründer Walter Gropius und seine Mitstreiter hätten bereits entschlossen jede politische Einflussnahme abwehren wollen, weshalb der Druck von rechts keine Rolle gespielt habe. "Auch wenn Rechtsextreme und AfD Druck machen, kann man ja dennoch eigene Entscheidungen treffen."

Das Bauhaus Dessau will zeitnah zu einer Debatte rund um das Thema "Bauhaus, Politik und Extremismus" einladen. Genauere Informationen gibt es dazu bislang nicht.

Unabhängig von dem Konzert in Dessau starten Feine Sahne Fischfilet Anfang November den zweiten Teil ihrer großen "Alles auf Rausch"-Tour. Karten für alle noch nicht ausverkauften Termine gibt es bei Eventim.

Facebook-Post: Statement von Feine Sahne Fischfilet

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