Zur mobilen Seite wechseln
25.05.2016 | 14:43 4 Autor: Dennis Drögemüller RSS Feed

Bataclan-Überlebender schreibt offenen Brief an Jesse Hughes

News 25019Nachdem Eagles Of Death Metal-Frontmann Jesse Hughes erneut über die Hintergründe des Terroranschlags im Bataclan spekuliert und dabei eine mögliche muslimische Verschwörung angedeutet hatte, hat nun ein Überlebender der Ereignisse einen offenen Brief an Hughes verfasst. Darin fordert er Hughes auf, sich nicht in rassistischen Vorurteilen zu verlieren.

Erst kürzlich hatte Jesse Hughes dem rechtslastigen US-Onlinemedium takimag.com ein Interview gegeben, in dem er über die Rolle muslimischer Teammitglieder des Bataclan bei den Anschlägen spekulierte. Daraufhin hatten zwei französische Festivals Konsequenzen gezogen und die Eagles Of Death Metal vom Line-up gestrichen. Außerdem hatte der Bataclan-Überlebende Tony Scott Hughes in einem Artikel für seine Aussagen kritisiert.

Nun äußerte sich ein weiterer Überlebender der Terrornacht gegenüber Hughes in einem offenen Brief. Ismael El Iraki schildert darin seine Verbindung zu den Eagles Of Death Metal und skizziert sich selbst als muslimisch aussehenden Mann und Rockfan, bevor er sich Hughes' Aussagen zuwendet: "Ich liebe die Musik deiner Band, vor allem die Konzerte (so unterhaltsame, wilde Shows) und, verdammt, ich hätte nie gedacht, dass du mal einer derjenigen sein würdest, die Ängste schüren. Fox News, Trump, diese Leute. Du hast dich immer als Querdenker, als Rebell gesehen: Wir wissen jetzt, dass du keiner bist. [...] Deine Kommentare haben eine schlimme Wunde wieder aufgerissen", schreibt El Iraki darin in Bezug darauf, dass Hughes es für möglich halte, die Attentäter hätten die muslimischen Menschen im Gebäude vorab gewarnt.

Nachdem er die Geschichte eines Muslims geschildert hat, der am Abend des Terroranschlags viele Menschen rettete, kommt El Iraki erneut zu Hughes Sichtweise zurück: "Du sagst, der Islam sei das Problem. Ich sage: 'All ihr verdammten Fanatiker mit euren beschissenen Märchen seid das Problem. Rassismus und die Weigerung, einander als komplexe menschliche Wesen (komplexer als Ethnie oder Rasse es ausdrücken können) anzuerkennen, sind das Problem. Andere auf das zu reduzieren, was du für das Problem hältst, ist das Problem.' Du hast in jener Nacht diese Typen gesehen. Mit ihren versteinerten Augen, ihrer Gehirnwäsche waren die grauenhaften Attentäter-Motherfucker nicht in der Lage, ihre Mitmenschen zu erkennen. Kumpel, sei nicht genauso. Sei es nicht."

El Iraki beendete sein Statement versöhnlich mit einem Led Zeppelin-Zitat, demzufolge Hughes immer noch einen anderen Weg einschlagen könne. Beim britischen Guardian könnt ihr den offenen Brief in voller Länge lesen.

Jesse Hughes hatte bereits im Frühjahr erstmals den Gedanken geäußert, Mitarbeiter des Bataclan könnten in die Anschläge verwickelt gewesen sein, sich dann aber schnell für seine Aussagen entschuldigt. Zuvor hatte er bereits die seiner Ansicht nach zu strengen Waffengesetze Frankreichs kritisiert, wegen denen sich die Besucher nicht hätten verteidigen können, und für diese Kommentare ebenfalls viel Kritik geerntet.

Die Eagles Of Death Metal sind im August einige Male in Deutschland live zu sehen, Karten gibt es bei Eventim.

Live: Eagles Of Death Metal

15.08. Bremen - Aladin
16.08. Köln - Live Music Hall
20.08. Großpösna - Highfield Festival
30.08. Frankfurt - Batschkapp

Mehr zu...

Kommentare (4)

Avatar von HealthMachine HealthMachine 25.05.2016 | 17:33

Liebe Visions-Redaktion,
ich kann mir denken, dass das nicht eure Absicht war, aber ihr habt genau den Mechanismus wiederholt, den Ismael El Iraki an Jesse Hughes kritisiert: ihr stellt ethnische und religiöse Unterschiede in den Vordergrund! Denn warum muss im Titel stehen, dass es sich um einen "muslimischen" Überlebenden handelt? El Iraki spricht doch explizit aus der Perspektive des Rock'n'Roll-Fan, der keine solchen Grenze für Musik und deren Liebhaber akzeptieren will. Sobald ihr das aber in den Titel aufnehmt, erweckt ihr den Anschein, als würde er aus einer "muslimischen" Perspektive kritisieren, was Hughes aus einer wie auch immer gearteten "nicht-muslimischen" Perspektive für Müll gesagt hat.
Würde mich freuen, wenn ihr dazu was sagen könntet. Hier geht's schließlich um LOVE und Rock'n'Roll - oder nicht?
Beste Grüße
Moritz

Avatar von Dennis Drögemüller Dennis Drögemüller 25.05.2016 | 18:49

Hallo Moritz,

das ist offenbar ein Missverständnis: El Irakis Religion ist hier nur Thema, weil Hughes das Thema angesprochen und El Iraki sich daraufhin mit diesem Bezug auseinandergesetzt hat. Er führt in seinem offenen Brief ja sogar ganz explizit aus, inwiefern er Muslim und gleichzeitig Rock-Fan ist. Insofern bildet die Überschrift nur sein Selbstverständnis ab, das er formuliert hat.

Man kann sich zwar durchaus entscheiden, das in der Überschrift nicht zu thematisieren. Ich bin aber der Überzeugung, dass sie so den offenen Brief treffender einfängt.

Beste Grüße
Dennis D.

Avatar von HealthMachine HealthMachine 25.05.2016 | 20:01

Hallo Dennis,

danke dir für die Antwort. Das kann ich sehr gut verstehen und ich bin auch schon zufrieden damit, dass das hier kurz in den Kommentaren thematisiert wird. Ich glaube aber nicht, dass hier ein "Missverständnis" vorliegt. El Iraki führt in keinster Weise aus, "inwiefern er Muslim und gleichzeitig Rock-Fan ist". Ich will wirklich nicht pingelig sein, aber El Iraki sagt an keiner einzigen Stelle seines Briefes, dass er Muslim ist. Das ist aus dem Text an keiner Stelle herauslesbar. Oder wo steht das? "As I said I live and breathe rock ‘n’ roll, and I could not look more Muslim if I tried." Das ist alles soweit ich sehen kann.
Aber wie gesagt, passt schon.

Viele Grüße
Moritz

Avatar von Dennis Drögemüller Dennis Drögemüller 25.05.2016 | 21:16

Moritz - da hast du schlicht und einfach Recht, da habe ich nicht genau genug gelesen. Ich habe das aus dem Kontext gefolgert, es könnte so sein, aber es steht nicht explizit drin. Ich ändere die Headline.

Bitte einloggen, wenn du diese News kommentieren möchtest.