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17.05.2013 | 12:03 1 Autor: Online Redaktion RSS Feed

Brian Cook - Bürger zweiter Klasse

News 18668Bei seiner Band Russian Circles wirkt Brian Cook wie die Selbstbestimmtheit in Person. Privat kämpft der offen schwule US-Amerikaner gegen die Haltung vieler seiner Mitmenschen. Kurz bevor in den USA über die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen entschieden wird, hat Dennis Drögemüller ihn für unser kommendes Heft interviewt. Zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie lest ihr hier einen Ausschnitt des Interviews.

Brian, warum haben immer noch viele Leute ein Problem damit, wenn zwei Menschen des gleichen Geschlechts heiraten wollen?
Brian Cook: Ich weiß es nicht. Vermutlich haben manche Leute eine tief verwurzelte Angst vor Homosexualität, meist basierend auf religiösen Vorstellungen. Das funktioniert als Argument gegen die Heirat homosexueller Menschen aber nicht, weil mittlerweile viele Kirchen und Glaubensrichtungen gleichgeschlechtliche Ehen anerkennen. Bei vielen Leuten liegt die Ablehnung wohl auch daran, dass sie überhaupt keine Homosexuellen kennen. Wieder andere berufen sich darauf, dass die Ehe die Gründung von Familien fördern solle und gleichgeschlechtliche Ehen das klassische Familienmodell gefährden würden. Meiner Meinung nach ist aber jedes Argument gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ein Argument gegen die Gleichberechtigung Homosexueller.

Du warst selbst kurz mit deinem Freund verheiratet, dann wurde die Ehe annulliert. Wie kam es dazu?
2004 hat sich das Multnomah County in Oregon entschieden, gleichgeschlechtliche Ehen zu legalisieren. Also sind mein Partner Reno und ich von Seattle ins benachbarte Portland gefahren und haben geheiratet. Das war nur drei Wochen lang möglich, weil die regionale Regierung das eigenmächtig entschieden hatte. Der Bundesstaat hatte nicht zugestimmt. Die Sache ging vor Gericht, ein Jahr später wurden die in diesen drei Wochen geschlossenen Ehen für ungültig erklärt. Wir haben die Gebühren für unsere Heiratsurkunde zurückbekommen und einen Brief erhalten, in dem stand, dass unsere Ehe nicht länger anerkannt würde.

Frustrierend, oder?
Wir haben damit gerechnet. In erster Linie ging es um die Geste, wir wollten Teil der Diskussion über das Thema sein. Es ist ja eh so: Selbst wenn ein County oder Bundesstaat deine Ehe anerkennt, auf nationaler Ebene ist sie nicht gültig – und die meisten der über 1.000 rechtlichen Vorteile einer Ehe sind genau dort verankert.

Du beziehst dich auf den Defense Of Marriage Act (Doma), ein US-Gesetz, das die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen auf Bundesebene verhindert. Welche Auswirkungen hat Doma für Homosexuelle genau?
Ich fühle mich deswegen wie ein Bürger zweiter Klasse. Das ist das Schlimmste. Doma erinnert mich permanent daran, dass ich nicht gleichberechtigt bin und ein Teil der Öffentlichkeit mich nicht respektiert.

Der oberste Gerichtshof der USA entscheidet demnächst über die Rechtmäßigkeit von Doma. Wird das Gesetz kippen?
Das ist schwer zu sagen. Momentan ist vieles nur Spekulation, die auf den Aussagen und Fragen der Richter während des Prozesses basiert. Aber es sieht offenbar nicht schlecht aus. Die Kernfrage ist, ob die Regierung der USA ihren Bürgern Rechte verweigern darf.

Das komplette Interview mit Brian Cook lest ihr in VISIONS 243 - ab dem 29. Mai am Kiosk. Bis dahin bleiben wir mit einer Playlist zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie beim Thema.

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Kommentare (1)

Avatar von RHABARBER RHABARBER 19.05.2013 | 19:02

Danke dass ihr euch des Themas Homosexualität/Homophobie (im und ausserhalb des Rock) immer wieder annehmt und eindeutig Stellung bezieht! Bitte weiter so :-)

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